Die EU-Kommission hatte am Dienstag drei Vertragsverletzungsverfahren gegen Ungarn eingeleitet. Eins davon betrifft den Streit um die Zentralbank. Bei den anderen Verfahren geht es um den Datenschutz und das Pensionsalter von Richtern. Die Brüsseler Behörde sieht durch gesetzliche Regelungen die Gefahr, dass die Regierung Einfluss auf die von ihr unabhängigen Institutionen nimmt.
Auch in diesen Fragen bekundete Orban Gesprächsbereitschaft. "Wir sind offen und bereit, über alle Probleme zu verhandeln, die von der EU-Kommission vorgebracht werden", sagte er. Bisher war er aber nicht bereit, von seinem umstrittenen Kurs abzuweichen.
Als wahrscheinlich gilt, dass der ungarische Regierungschef Zugeständnisse bei der Zentralbank macht, um die Kritiker zu besänftigen. Ungarn habe "einen Präsidenten an der Spitze der Zentralbank, der noch vom Vorgänger-Parlament gewählt wurde", sagte Orban der "Bild". "Seine Amtszeit endet 2013 und daran wird sich nichts ändern. Dazu haben wir einen Finanzrat, dessen Mitgliederzahl ebenfalls vom alten Parlament beschlossen wurde. Jetzt geht es nur noch darum, ob dieser Finanzrat aufgestockt werden soll. Wenn die EU damit Probleme hat, werden wir bereitwillig den Forderungen nachkommen. Sogar wenn es zum Nachteil der Notenbank ist."
Ein Einlenken gilt auch deshalb als wahrscheinlich, weil Ungarn auf Finanzhilfe der EU und des Internationalen Währungsfonds angewiesen ist. Doch die Geldgeber wollen eine Finanzspritze nur freigeben, wenn die Regierung das Zentralbankgesetz wieder ändert. Ohne das Geld steht das Land vor der Pleite.