Es kommt selten vor, dass William E. Kennard, EU-Botschafter der Vereinigten Staaten, einem 27-jährigen Parlamentsneuling mit Backenbart, Wuschelkopf und lindgrünem T-Shirt seine Aufwartung macht. An diesem Mittwoch um 14.15 Uhr, im Büro der Grünenfraktionschefin Rebecca Harms, ist es so weit. Denn Albrecht ist im Parlament einer der wichtigsten Gegner von Swift: dem Abkommen, das US-Terrorfahndern ermöglicht, den Zahlungsverkehr von Bürgern der EU und der ganzen Welt zu durchforsten. Und so hat Kennard gleich drei weitere Diplomaten im Schlepptau. Ihre Mission: Albrecht und Harms umzupolen.
Die US-Delegation ist nur einer der vielen Stoßtrupps, die gerade über die Flure des Parlaments geistern. Auch die EU-Kommission und einige Regierungschefs haben Leute geschickt. Sie sollen ein Debakel abwenden: verhindern, dass die Abgeordneten Swift kippen.
Monatelang haben Kommission, Rat und die US-Führung den Deal hinter verschlossenen Türen verhandelt - und das Parlament ignoriert. Dieses hatte ja auch keine Einspruchsmöglichkeit, bis zum 1. Dezember 2009. Nun aber ist der Lissabon-Vertrag in Kraft. Und der gibt dem Plenum ein Vetorecht.
Nächsten Mittwoch müssen die Parlamentarier entscheiden. Und weil es nach einem Nein aussieht, bricht Panik in den Zentralen aus. Die Widerspenstigen sollen in letzter Minute gezähmt werden. Auch mit rüden Methoden.