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Merken   Drucken   24.08.2012, 15:25 Schriftgröße: AAA

Tauziehen um Julian Assange: London sendet diplomatische Signale an Ecuador

Lange herrschte Funkstille zwischen Großbritannien und Ecuador in der Causa Julian Assange. Mit einer formellen Note nimmt London den Austausch wieder auf. Derweil plant die Organisation Amerikanischer Staaten ein Treffen in Washington zum Fall des Wikileaks-Mitgründers.
© Bild: 2012 dpa
Lange herrschte Funkstille zwischen Großbritannien und Ecuador in der Causa Julian Assange. Mit einer formellen Note nimmt London den Austausch wieder auf. Derweil plant die Organisation Amerikanischer Staaten ein Treffen in Washington zum Fall des Wikileaks-Mitgründers.

Großbritannien hat den diplomatischen Austausch über die Zukunft von Wikileaks-Gründer Julian Assange mit Ecuador wieder aufgenommen. Das Außenministerium in London hat nach eigenen Angaben eine formelle Note an Ecuador gesandt. Über den Inhalt wurde nichts bekannt. Die Außenminister der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) wollen sich in Washington treffen und über den Umgang mit dem Fall Assange reden.

Der Streit um Wikileaks-Gründer Julian Assange bringt die Länder ...   Der Streit um Wikileaks-Gründer Julian Assange bringt die Länder in diplomatische Konflikte

Großbritannien muss Assange an Schweden ausliefern, weil dort ein EU-weiter Haftbefehl wegen des Vorwurfs von Sexualstraftaten erwirkt worden war. Der 41 Jahre alte Australier bestreitet die Vorwürfe und hat in der Botschaft Ecuadors Schutz gesucht, um seine Auslieferung zu verhindern. Ecuador hat ihm Asyl gewährt, doch Assange kann die Botschaft nicht verlassen, weil ihm spätestens am Flughafen die Festnahme droht. Die britische Regierung hatte mehrmals mitgeteilt, sie werde ihrer juristischen Pflicht nachkommen und Assange nach Schweden ausliefern.

Der Fall hat einen heftigen diplomatischen Streit ausgelöst. Ecuadors Präsident Rafael Correa warnte die britische Regierung, sie würde "diplomatischen Selbstmord" begehen, sollte sie die ecuadorianische Botschaft in London betreten, um Assange dort herauszuholen. Das berichtete der Sender BBC jüngst unter Berufung auf das Staatsfernsehen Ecuadors. Ein solcher Vorfall hätte zur Folge, dass sämtliche diplomatische Vertretungen Großbritanniens in anderen Ländern gestürmt werden könnten, sagte Correa.

Die Briten hatten vergangene Woche gedroht, sie könnten auf der Grundlage eines Gesetzes von 1987 in die Botschaft eindringen und Assange festnehmen. Wenige Stunden danach stellte das Außenministerium klar, man hoffe auf eine Verhandlungslösung. Es gebe keine Absicht, die Botschaft zu stürmen. Correa sagte, er sei bereit, den Fall Assange bis zu den Vereinten Nationen zu bringen.

Eine Lösung des diplomatischen Patts ist nicht in Sicht. "Dies kann morgen zu Ende sein, wenn Großbritannien freies Geleit garantiert", sagt Ecuadors Präsident Rafael Correa der BBC. "Es kann aber auch Monate und Jahre weitergehen, wenn Herr Assange die ecuadorianische Botschaft nicht verlassen kann."

  • FTD.de, 24.08.2012
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