Es gibt kaum eine heiße wirtschaftspolitische Debatte oder kluge ökonomische Analyse, in der ihr Name nicht fällt: Joseph Stiglitz, Kenneth Rogoff und Jagdish Bhagwati bilden mit einem guten Dutzend weiterer Top-Ökonomen einen einzigartigen Think Tank. So konträr ihre Ansichten auch sein mögen: Sie schreiben für eine exklusive Serie, die die FTD in Zusammenarbeit mit der internationalen Public-Benefit-Organisation 'Project Syndicate' veröffentlicht.
Barry Eichengreen ist Professor für Volkswirtschaft und Politologie an der University of California in Berkeley.
Die USA haben es mit einer Langzeitarbeitslosigkeit zu tun, wie sie sie seit den 30er-Jahren nicht mehr erlebt haben. Rund 40 Prozent der Arbeitslosen sind seit sechs Monaten oder mehr ohne Beschäftigung. Das ist, wie US-Zentralbankchef Ben Bernanke vor Kurzem sagte, viel mehr als während jeder anderen Rezession nach dem Zweiten Weltkrieg.
Diese Langzeitarbeitslosigkeit hat enorme Negativfolgen für das Leben der Hauptleidtragenden. Dies wissen wir dank einer Reihe detaillierter Studien, die während der Weltwirtschaftskrise der 30er-Jahre durchgeführt wurden.
Die bekannteste Studie dieser Art führte E. Wight Bakke über die Langzeitarbeitslosen von New Haven im US-Bundesstaat Connecticut durch. Bakke war damals Student und wurde später Wirtschaftsprofessor an der Universität Yale. Mittels persönlicher Gespräche, Beobachtungen, Kalenderaufzeichnungen und Längsschnittstudien zeigte Bakke auf, wie längere Zeiträume der Arbeitslosigkeit dazu führten, dass sich die Fähigkeiten der Arbeiter verschlechterten und es den Menschen zunehmend schwerer fiel, neue Fähigkeiten zu erlernen. Zudem litten die Langzeitarbeitslosen unter einer Vielzahl körperlicher und seelischer Probleme wie Demoralisierung, Apathie und dem Gefühl gesellschaftlicher Isolation.
Für die Betroffenen ist Langzeitarbeitslosigkeit eine Tragödie - heute wie in den 30ern. Und für die Gesellschaft als Ganzes besteht die Gefahr, dass die Leistungsfähigkeit eines erheblichen Anteils der Erwerbsbevölkerung beeinträchtigt wird.
Nur wenige wissen jedoch, dass die USA in den 30er-Jahren mit viel größerem Erfolg als heute diese Probleme lindern konnten. Anstatt Mitarbeiter im großen Stil zu entlassen, setzten Unternehmen ihre Leute auf Kurzarbeit. In der Fertigung und im Bergbau verringerte sich die durchschnittliche Arbeitswoche von 45 Stunden 1929 auf 35 Stunden 1932. Wir wissen dies aus einem Artikel, den mein Berkeley-Kollege James Powell 1986 zusammen mit keinem Geringeren als Ben Bernanke selbst verfasst hat.
Die 24 Prozent Arbeitslosigkeit, die auf dem Höhepunkt der Weltwirtschaftskrise erreicht wurden, waren kein Zuckerlecken. Doch die Quote wäre noch höher gewesen, wäre die durchschnittliche Anzahl der Wochenarbeitsstunden für die Arbeiter im Fertigungssektor bei 45 verblieben. Die Verringerung der Arbeitsstunden um 20 Prozent ermöglichte Millionen Arbeitern, ihren Arbeitsplatz zu behalten. Sie erhielten weiter Lohn. Sie erwarben weiter Fähigkeiten. Sie hatten Hoffnung und die Möglichkeit voranzukommen.
Warum wurde in den 30ern die verfügbare Arbeit so stark aufgeteilt? Erstens weil die Regierung darauf gedrängt hat. In seinen Memoiren schätzte Präsident Herbert Hoover, bis zu zwei Millionen Arbeiter seien aufgrund seiner Anstrengungen in Sachen Arbeitsumverteilung der Arbeitslosigkeit entgangen.
Zweitens haben die Gesetze dazu ermutigt. Die Gewerbeordnungen des New Deal legten Obergrenzen für die Arbeitswochen in bestimmten Branchen und für bestimmte Arbeitnehmer fest. Das Gesetz zu gerechten Arbeitsrichtlinien lieferte finanzielle Anreize, indem es die Bezahlung von geleisteten Überstunden verlangte.
Drittens gab es keine Arbeitslosenunterstützung, die davon abhielt. Jemand, der heute vor der Wahl steht, entweder 20 Stunden pro Woche zu arbeiten oder Arbeitslosenhilfe zu beziehen, könnte versucht sein, sich für Letzteres zu entscheiden. In den 30er-Jahren aber, als es noch keine Arbeitslosenunterstützung gab, waren 20 Stunden besser als nichts.
Natürlich ersetzt die gesetzliche Arbeitslosenversicherung nur einen Teil dessen, was die meisten Arbeiter davor verdient haben. Das bedeutet, dass die Auswirkungen in dieser Hinsicht nicht sehr stark sind. Aber selbst wenn die Arbeitslosenversicherung nicht zu einer Teilung der Lasten ermutigt, lässt sie sich dahingehend umbauen. Anstatt die Zahlungen auf diejenigen zu begrenzen, die vollständig ohne Arbeit sind, könnten Arbeiter, die weniger arbeiten, anteilige Zahlungen erhalten. Das Programm würde sich zumindest teilweise selbst finanzieren, zusätzliche Zahlungen an Kurzarbeiter würden durch eine geringere Arbeitslosigkeit ausgeglichen (was wiederum die Zahlungen an diejenigen reduziert, die völlig ohne Arbeit sind).
Mit dem Programm "Short-Time Compensation" verfügen die USA bereits über etwas in dieser Richtung. Arbeitnehmer können dort Anspruch auf Arbeitslosenunterstützung sammeln, gestaffelt nach ihrer Stundenzahl. Zuvor muss der Arbeitgeber einen Plan zur Arbeitsteilung genehmigen lassen, und die Bundesregierung entschädigt die einzelnen Bundesstaaten für einen Teil der Einrichtungskosten. Aktuell haben 24 US-Bundesstaaten ihre Arbeitslosenversicherung so angepasst, dass sie von der Maßnahme profitieren kann.
Die finanziellen Anreize, die die Zentralregierung bietet, sind jedoch leider vor allem darauf begrenzt, die Staaten bei der Bewerbung und der Automatisierung ihrer Programme zu unterstützen. Speziell was ältere Arbeitnehmer anbelangt, die eine begründete Erwartung haben, in Vollbeschäftigung zu bleiben, fallen diese Programme zu bescheiden aus, als dass sie Teilzeitarbeit zu einer attraktiven Option machen würden.
Andere Länder gehen da weiter. Das Kurzarbeitprogramm in Deutschland kommt für einen beträchtlichen Anteil des Verdienstausfalls auf, wenn dieser aufgrund von Kurzarbeit bei über zehn Prozent liegt.
Die US-Regierung könnte diesem Beispiel folgen, indem sie die Staaten für ihre "Short-Time Compensation"-Programme großzügiger entschädigt. Dass sie dies nicht tut, fügt den Arbeitslosen vermeidbaren Schmerz und vermeidbares Leid zu, droht aber auch der amerikanischen Gesellschaft langfristige Kosten zuzufügen.
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B. E, schlägt vor, was Brüning schon 1923 versucht hat und fehlgeschlagen ist, Er schlägt den Washington Consensus als Lösung vor. Er will die trickle-down-Hypothese eines R. Reagan wiederbelebt sehen. Sein vorschlag entstammt dem Zauberkasten der Angebotstheorie. Er unterschlät aber zum wiederholten Male, wie auch Brüderle bei Anne Will, dass Hypothesen dann funktionieren, wenn sie sich in der Wirklichkeit bewiesen haben.
Er will mit seinem Vorschlag Arbeitsplätze schaffen. Kapital durch billige Löhnen ersetzen. Er überträgt dabei die Walrassche-Paretosche Tauschtheorie einfach 1:1 auf die Produktion. Wenn die Löhne fallen, so hat uns diese Theorie immer gelehrt, würden infolge der Substitution des Kapitals durch Arbeit neue Arbeitsplätze entstehen.
In der Cambridge-Cambridge-Kontroverse wurde unwidersprochen festgestellt, dass die Wirtschaft nach der Lohnsenkung (auf 50%) zu der Produktionsstruktur zurückgekehrt ist, die wir vorher schon einmal (bei 80%) gehabt hatten. Man kann dieses Ergebnis drehen und wenden, wie man will, es besagt: Die Lohnsenkung schafft keine neue Arbeitsplätze. Es hat sich offensichtlich auch an der Produktivität gar nichts geändert. Sie ist gleich geblieben. Diese Lehre hatte nie die Absicht zu erklären, dass Theorie der Akkumulation falsch sei, sondern nur, dass die Wirtschaft effizient sein kann, unabhängig davon, wie niedrig die Löhne sind.
Produktivität, Effizienz, wird hier nicht absichtlich Schindluder getrieben? Wenn der Lohn die einzige Einkommensart ist, dann ist es egal, ob Effizienz oder Produktivität verwendet wird, beide sind in diesem Fall gleich. Müssen aber noch zusätzliche Kosten, wie für die Nutzung des Kapitals bezahlt werden, wenn also auch Profit unter die Kosten subsumiert wird, kann die Summe der Kosten nicht mehr zugleich der gesamten Arbeitsmenge gleich sein. Je niedriger die (nominale) Lohnquote in einer Wirtschaft ist, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass die Kombination der Produktionstechniken eine weniger produktive ist und umgekehrt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg sind die Löhne so schnell gestiegen wie nie in der Geschichte, auch die Produktivität ist gestiegen wie nie zuvor. Auch Taiwan ist nicht so entstanden, indem man zuerst gespart und auf den Lohn verzichtet hat, sondern es war völlig anders. Wozu dann immer wieder "sparen"? Gibt es in der Formel der Produktionstheorie der pars-pro-toto Lehre ein Kostenelement mit der Bezeichnung "P"?
Sollte das sinnlose und falsche neoliberale partikel-mechanische Modell sich als eine effiziente ideologische Waffe für die Verteidigung der industriellen Klassengesellschaft erwiesen haben, und so etwas kann man doch nicht einfach opfern!