Bernard Delmas ist Fernfahrer aus dem südfranzösischen Montpellier. Spanien ist nicht weit. Kollegen haben ihm erzählt, die Konkurrenz durch spanische Logistiker werde mit der EU-Verfassung noch härter. "Deswegen bin ich dagegen", sagt er. Niemand kann ihn davon abbringen - seine Frau nicht und auch nicht die Gluthitze, die über Montpellier liegt. Vor dem Wahllokal stehen Ja- und Nein-Sager Schlange und tauschen letzte Argumente aus.
Früh zeichnet sich eine noch höhere Wahlbeteiligung ab als im Landesschnitt. In Frankreichs wildem Süden - dort, wo der Bauer José Bové vielen als Held gilt, weil er aus Protest gegen die Globalisierung ein McDonald's-Restaurant verwüstete - wissen die Wähler, dass es auf sie ankommt: Schon beim Maastricht-Entscheid 1992 waren sie mehrheitlich dagegen. Diesmal könnte ihr "Non" das Zünglein an der Waage sein.
Darauf hofft Didier Gadéa. Der Winzer ist wütend. Er muss Umsatzeinbußen von 30 Prozent verkraften. "Daran ist Brüssel schuld, dort wird die Agrarpolitik gemacht." Dass die Region Milliarden aus EU-Töpfen erhält, hört er ungern. Frankreichs Weine brächten der EU so viel ein wie 200 Airbus A380, rechnet er den Wartenden vor. Eine Frau weist ihn zurecht: "Wenn du willst, dass wir gegen die Amis und China eine Chance haben, musst du für Europa sein."
Einig sind sich die Gegner und Befürworter der EU-Verfassung in einem: Dass es gut ist, das Volk entscheiden zu lassen. Nicht so wichtig ist, dass die Franzosen mit ihrer Entscheidung womöglich den Willen anderer Europäer übergehen. "Wenn wir bei der Revolution von 1789 auf das Einverständnis der Deutschen gewartet hätten", sagt Winzer Gadéa "hätten wir heute noch einen König".