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Merken   Drucken   05.12.2012, 21:00 Schriftgröße: AAA

Transparency International: Athen zweifelt an Korruptionsindex

Dass Griechenland im Korruptionsranking einen heftigen Absturz hinnehmen musste, liegt an den veränderten Erhebungsmethoden – sagt der Direktor der griechischen Sektion von Transparency International.
© Bild: 2012 Bloomberg/Eirini Vourloumis
Dass Griechenland im Korruptionsranking einen heftigen Absturz hinnehmen musste, liegt an den veränderten Erhebungsmethoden – sagt der Direktor der griechischen Sektion von Transparency International.
von Berlin

Griechenland wehrt sich gegen den Generalverdacht, dass die Vetternwirtschaft im Land immer drastischere Züge annimmt. Das starke Abrutschen des Krisenlands in dem Ranking der wahrgenommenen Korruption von Transparency International (TI) um 14 Plätze auf den 94. Rang sei vor allem auf eine veränderte Methodologie zurückzuführen, schränkte der Direktor der griechischen Sektion der Organisation am Mittwoch das Ergebnis ein. "Der Eindruck, dass die Lage immer schlimmer und schlimmer wird, stimmt so nicht", sagte Costas Bakouris der FTD.

Das Sorgenkind der Euro-Zone ist laut dem TI-Index 2012 auch das EU-Schlusslicht in Bezug auf Korruption. Es wird damit schlechter bewertet als Kolumbien und Liberia. Ein Abbild des verlorenen Vertrauens der Griechen in ihre Institutionen ist der Index derweil nicht. An der Erhebung zur Korruptionsanfälligkeit sind 13 Institutionen beteiligt - darunter das World Economic Forum und die Economist Intelligence Unit. Die einfließenden Daten stammen zum größten Teil aus dem Ausland.

Lange Liste an Forderungen

Verschlechtert haben sich auch andere Euro-Länder wie Irland, Österreich, Malta und Italien. Im Falle Griechenlands führt der Transparency-Direktor indes eine weitere Einschränkung ins Feld: "Die Tatsache, dass wir all unsere schmutzige Wäsche ans Licht zerren und in letzter Zeit viel mehr Korruption aufdecken als zuvor, beeinflusst auch die Wahrnehmung", gibt Bakouris zu Bedenken.

Dennoch ist die Liste der Forderungen von Transparency an den griechischen Staat, den Kampf gegen die Korruption zu verschärfen, lang und eindringlich. Zwar habe das Land eine gut aufgestellte Beschwerdestelle. Doch die Hinweise kämen oft aus dem Ausland. Die Strafen seien zu lax und die Verfolgung zu schleppend. Auch private Unternehmen müssten ihre Finanzen transparenter gestalten. "Die Drehtür zwischen Regierung und Unternehmen muss gestoppt werden", so der Aufruf.

Auflagen zur Ausrottung des weitverbreiteten Amtsmissbrauchs - von Bestechungsgeldern hin zu Steuerhinterziehungen - machen auch die Gläubiger des Pleitelands in ihrem Schuldenpakt. So hat Transparency mit der Taskforce der EU-Kommission für Wachstum und Beschäftigung einen Anti-Korruptionsfahrplan entworfen. Ein oberster Korruptionsbeauftragter, der dem Premier direkt über die Umsetzung berichten soll, ist allerdings noch nicht ernannt.

Anzeichen für ein Umdenken

Bestechung und Steuerhinterziehung verlangen Griechenland einen hohen Preis ab. Bakouris sieht in dem Volksübel einen Hauptgrund für die Schuldenmisere. 120 Mrd. Euro Schwarzgeld seien dem Fiskus in zehn Jahren verloren gegangen. Um die Steuerlast zu drücken, würden Schmiergeldzahlungen zwischen 100 und 20.000 Euro gezahlt. In "Fakelaki" - Umschlägen, mit denen beim Arzt eine raschere Behandlung erwirkt wird - legen Patienten zwischen 30 und 500 Euro hin.

Gerade bei "kleinen Umschlagsdelikten" sieht der Transparency-Chef aber "einen leichten Rückgang". Nach Umfragen ließen sich viele nicht mehr auf solche Praktiken ein. "Bei Teilen der Bevölkerung setzt ein Umdenken ein", so Bakelouris. "Es gibt eine kleine Welle, eingefahrene Verhaltensweisen zu ändern, aber solange das kein Tsunami wird, haben wir die Schlacht nicht gewonnen."

  • Aus der FTD vom 06.12.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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