FTD.de » Politik » Europa » Deutschland darf weiter Steuer-CDs kaufen
Merken   Drucken   16.07.2012, 21:53 Schriftgröße: AAA

Trotz Steuerabkommen: Deutschland darf weiter Steuer-CDs kaufen

Auch wenn das Abkommen mit der Schweiz in Kraft getreten ist, können die Finanzminister weiter Steuer-CDs kaufen. Der Vertrag lässt ihnen dafür ein Schlupfloch offen. Damit könnte das Beispiel NRW Schule machen.
© Bild: 2012 DPA/Henning Kaiser
Auch wenn das Abkommen mit der Schweiz in Kraft getreten ist, können die Finanzminister weiter Steuer-CDs kaufen. Der Vertrag lässt ihnen dafür ein Schlupfloch offen. Damit könnte das Beispiel NRW Schule machen.
von Berlin

Selbst wenn das umstrittene Steuerabkommen mit der Schweiz doch noch eine Mehrheit im Bundesrat bekommen würde, müssten Steuerhinterzieher weiter zittern. Das Abkommen lässt nämlich durchaus den Kauf weiterer Steuer-CDs zu. Im Text heißt es, dass "sich die deutschen Finanzbehörden nicht aktiv um den Erwerb von bei Banken in der Schweiz entwendeten Kundendaten bemühen werden".

Hinweis in eigener Sache: Die FTD Executive Edition für iOS & ...   Hinweis in eigener Sache: Die FTD Executive Edition für iOS & Android

Um die Daten zu erhalten, müssen sich die deutschen Finanzbehörden aber nicht "aktiv bemühen". Im Normalfall bieten Informanten sie über Mittelsmänner an. Die Fahnder können sich also darauf berufen, dass sie nicht aktiv auf die Verkäufer zugehen.

Auch das Bundesfinanzministerium bestätigte, in dem Abkommen sei kein Verbot des Datenankaufs vorgesehen. Ob die Finanzverwaltung eine angebotene CD erwerbe, sei auch in Zukunft eine "Einzelfallentscheidung" und eine "Abwägungsfrage". Es sei zwar Ziel des Abkommens, solche Käufe überflüssig zu machen. Der Bund könne die Länder aber nicht verpflichten, darauf zu verzichten.

Durch den neuerlichen Ankauf einer Steuer-CD mit Daten deutscher Anleger bei der Schweizer Privatbank Coutts wurde klar: Gerade die SPD-regierten Bundesländer wollen dieses Instrument nicht aus der Hand geben. Sie fühlen sich durch den jüngsten Hinterziehungsfall in ihrer Ablehnung des Steuerabkommens im Bundesrat noch bestätigt. Ohne die Zustimmung der Länderkammer kann das Vertragswerk nicht in Kraft treten.

Der Kauf von Steuer-CDs durch den Staat ist...

 

Zum Ergebnis Alle Umfragen

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) zeigte sich verärgert über den Ankauf. Der "Bild"-Zeitung sagte er: "Zufällige CD-Käufe können immer nur eine Behelfskrücke sein, sie bieten keinen umfassenden Ansatz zur befriedigenden Besteuerung."

Schäubles Sprecher sagte, die Aktion sei von Nordrhein-Westfalen "motiviert und betrieben". Der Vorgang sei dem Abschluss des Abkommens "nicht dienlich". Die Schweizer Regierung und die Bankiersvereinigung hatten den Ankauf als politisch gesteuert angeprangert.

Joachim Poß, SPD-Fraktionsvize im Bundestag, sagte dagegen: "Die Ankäufe sind das wichtigste Instrument gegen Steuerhinterziehung. Schon die Entdeckungsgefahr kann potenzielle Steuerhinterzieher abschrecken."

Die SPD kritisiert nach wie vor die Anonymisierung der Steuerflüchtlinge durch das Abkommen. Steuerhinterzieher hätten bis Ende des Jahres Zeit, ihr Schwarzgeld in andere Steueroasen zu bringen. Der Spitzensteuersatz für bisher unversteuertes Kapital, der nachträglich von 34 auf 41 Prozent angehoben wurde, greife in aller Regel nicht. Rund 80 Prozent der Steuerstraftäter würden nur mit dem niedrigsten Satz von 21 Prozent besteuert, egal wie viel Geld sie hinterzogen hätten. Selbst wenn die SPD doch zustimmt, droht in der Schweiz noch ein Referendum am 25. November.

  • Aus der FTD vom 17.07.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
Immobilien-Kompass
Immobilien-Kompass Deutschlands beste Wohnlagen

Preise, Mieten und Prognosen für Deutschlands Metropolen und Regionen mit detaillierten Übersichtskarten

Jetzt eigene Wohnlage prüfen

 
Anstatt FTD.de lese ich künftig ... Zum Ergebnis
Alle Umfragen
In eigener Sache
  • An Kiosks in der ganzen Republik hieß es am letzten Erscheinungstag der FTD: Zeitung vergriffen! Der Hype um die Schlussausgabe trieb merkwürdige Blüten. Der Verlag druckte 30.000 Exemplare nach. Wer keines abbekam - bestellen ist möglich. mehr

  •  
  • blättern
Zwischen Leben und Arbeiten
Work-Life-Balance

Die FTD hat zusammen mit dem GfK Verein die umfassendste bundesweite Studie zum Thema Work-Life-Balance veröffentlicht. Die Ergebnisse und mehr zum Thema finden Sie hier. Die Studie können Sie hier kaufen. mehr

Folgen Sie der FTD auf Twitter
Werden Sie Fan der FTD auf Facebook
  • Sie waren ein Herzstück der Zeitung und pointiert, scharf, teils brillant: Ihre Kolumnen, Leitartikel und Kommentare haben die FTD entscheidend geprägt. Zum letzten Mal: Unsere Kolumnisten sagen, was Sache ist. mehr

  •  
  • blättern
© 1999 - 2013 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Impressum | Datenschutz | Nutzungsbasierte Online Werbung | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

Geldanlage | Altersvorsorge | Versicherung | Steuern | Arbeitsmarkt | Energiewende | Ökostrom | Auto | Quiz | IQ-Test | Allgemeinwissen | Solitär | Markensammler