Rote Streifen an den Beinen von Hühnern sind Symptome einer Vogelgrippe
Rund 15.000 von insgesamt 45.000 Hausvögeln müssten in Ceamurlia de Jos im Süden des Donaudeltas noch getötet und entsorgt werden, aber die Einwohner weigerten sich, das
Geflügel freizugeben, meldete der Fernsehsehsender "Realitatea TV" am
Montag. Obwohl die Behörden Entschädigungen in Aussicht stellten,
wollten die Einwohner es sich bis Dienstag überlegen, ob sie weiteren
Notschlachtungen zustimmen, hieß es. Bei drei in Ceamurlia verendeten
Hausenten waren Antikörper gegen die Vogelgrippe festgestellt worden.
Laboruntersuchungen dauern an
Es seien weiterhin keine Viren in den drei Hausenten entdeckt
worden, sagte der Direktor des Nationalen Instituts für Diagnose und
Tiergesundheit, Nicolae Stefan, am Montag. Die Untersuchungen in
Bukarest würden noch zwei bis drei Tage dauern. Alarmierende
Meldungen über Vogelsterben gab es erneut aus dem rumänischen
Fischerdorf Maliuc, wo seit Tagen immer wieder verendete Schwäne
gefunden werden. Erste Laborergebnisse zu diesen Fällen wurden bis
spätestens Dienstag erwartet.
Im Osten Rumäniens wurden am Wochenende mehr als 30 tote Tiere gefunden, wie die Behörden am Montag bestätigten. Die genaue Todesursache werde noch untersucht.
Dazu wurden Proben an ein britisches Labor geschickt, das
feststellen soll, ob es sich um den gefürchteten Erreger H5N1
handelt, dem in Asien Millionen von Tiere und auch schon mehr als
60 Menschen zum Opfer fielen.
EU wartet mit Importstopp gegen Rumänien
Die EU und weitere europäische Staaten verschärften am Montag die Bedingungen für die Einfuhr von Geflügel aus der Türkei. So untersagte die EU-Kommission den Import von lebendem Geflügel und Federn. Gleichzeitig bot sie der Türkei die Entsendung von Veterinärmedizinern an, die bei der Lageeinschätzung helfen sollen.
Im Fall Rumäniens stehe noch nicht fest, ob tatsächlich das Vogelgrippevirus für den Tod
der Tiere verantwortlich sei, teilte die Kommission in Brüssel mit. Deshalb habe die EU auch noch kein Einfuhrverbot gegen das Land verhängt.
Die Schweiz, Griechenland, Bulgarien und die Ukraine
kündigten dagegen bereits an, Importe von lebenden Vögeln und
Geflügel-Produkten nicht nur aus der Türkei, sondern auch aus
aus Rumänien zu verbieten. Bulgarien liegt zwischen Rumänien und
der Türkei, Griechenland grenzt an die Türkei und die Ukraine an
Rumänien.
Keine unmittelbare Gefahr für Deutschland
Für Deutschland sah die Bundesregierung keine unmittelbare Gefahr.
Erst nach weiteren Untersuchungen solle entschieden werden, ob und welche Maßnahme
gegen die Verbreitung der Vogelgrippe ergriffen würden. Der
Sprecher des Verbraucherschutzministeriums sagte: "Es ist
noch nicht geklärt, ob es sich dabei tatsächlich um den auch
für Menschen gefährlichen H5N1-Virus handelt."
Die Regierung stehe in engem Kontakt mit der EU und der
zuständigen internationalen Organisation. "Ob und welche
Maßnahmen jetzt ergriffen werden, hängt weiter davon ab, zu
welchen Ergebnissen die Wissenschaftler kommen", sagte der Sprecher.
Virusstamm unklar
Nach Expertenmeinung kann die tatsächliche Gefahr derzeit noch nicht abgeschätzt werden. "Wir haben weder eine Bestätigung der Vogelgrippe
in Rumänien, noch können wir derzeit ausschließen, dass die Tiere
dort an der Vogelgrippe verendet sind", sagte der Präsident des
Friedrich-Loeffler-Instituts, Thomas Mettenleiter, am Montag.
In der Türkei sei zwar ein H5-Virus nachgewiesen worden. Unbestätigt sei aber bisher, ob es sich um die für Menschen gefährliche Variante H5N1
handelt. Dies wäre die
erste Infektion in Europa. Nach Einschätzung der EU-Kommission
handelt es sich in beiden Ländern um verschiedene Erreger-Typen.
USA fordern intensiveren Schutz
Die USA dringen auf eine
schnelleren und intensiveren Schutz vor einer weltweiten
Vogelgrippe-Pandemie. "Wir müssen gewappnet sein", sagte US-Gesundheitsminister
Michael Leavitt am Montag in Bangkok zum Auftakt einer Reise
durch mehrere betroffene südostasiatische Staaten. "Unsere Vorbereitungen sind noch
nicht abgeschlossen und auch nicht angemessen", sagte Leavitt.
Mit einer Delegation der Weltgesundheitsorganisation (WHO)
und mehrerer US-Behörden will Leavitt in Asien für eine stärkere
Kooperation im Kampf gegen die Krankheit werben. Nach Thailand
will der Minister auch Kambodscha, Laos und Vietnam besuchen.
Pandemie würde 150 Mio. Menschen bedrohen
Das Virus wird bisher vom Tier auf den Menschen
übertragen. Sollte es so mutieren, dass es direkt von Mensch zu
Mensch verbreitet werden kann, könnte dies eine weltweite
Pandemie auslösen. Die Vereinten Nationen hatten kürzlich davor
gewarnt, dass in diesem Fall das Leben von bis zu 150 Mio.
Menschen bedroht werden könne.