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Merken   Drucken   10.10.2005, 17:23 Schriftgröße: AAA

Trotz Vogelgrippe Massentötungen in Rumänien gestoppt  

Drei Tage nach dem Auftreten des Vogelgrippe-Verdachts in Rumänien sind die Massentötungen von Geflügel im Süden des Landes am Montag gestoppt worden. Die EU und weitere europäische Staaten verschärften die Importbeschränkungen für Geflügel aus der Türkei.
Rote Streifen an den Beinen von Hühnern sind Symptome  einer ...   Rote Streifen an den Beinen von Hühnern sind Symptome einer Vogelgrippe
Rund 15.000 von insgesamt 45.000 Hausvögeln müssten in Ceamurlia de Jos im Süden des Donaudeltas noch getötet und entsorgt werden, aber die Einwohner weigerten sich, das Geflügel freizugeben, meldete der Fernsehsehsender "Realitatea TV" am Montag. Obwohl die Behörden Entschädigungen in Aussicht stellten, wollten die Einwohner es sich bis Dienstag überlegen, ob sie weiteren Notschlachtungen zustimmen, hieß es. Bei drei in Ceamurlia verendeten Hausenten waren Antikörper gegen die Vogelgrippe festgestellt worden.
Laboruntersuchungen dauern an Es seien weiterhin keine Viren in den drei Hausenten entdeckt worden, sagte der Direktor des Nationalen Instituts für Diagnose und Tiergesundheit, Nicolae Stefan, am Montag. Die Untersuchungen in Bukarest würden noch zwei bis drei Tage dauern. Alarmierende Meldungen über Vogelsterben gab es erneut aus dem rumänischen Fischerdorf Maliuc, wo seit Tagen immer wieder verendete Schwäne gefunden werden. Erste Laborergebnisse zu diesen Fällen wurden bis spätestens Dienstag erwartet.
Im Osten Rumäniens wurden am Wochenende mehr als 30 tote Tiere gefunden, wie die Behörden am Montag bestätigten. Die genaue Todesursache werde noch untersucht. Dazu wurden Proben an ein britisches Labor geschickt, das feststellen soll, ob es sich um den gefürchteten Erreger H5N1 handelt, dem in Asien Millionen von Tiere und auch schon mehr als 60 Menschen zum Opfer fielen.
EU wartet mit Importstopp gegen Rumänien Die EU und weitere europäische Staaten verschärften am Montag die Bedingungen für die Einfuhr von Geflügel aus der Türkei. So untersagte die EU-Kommission den Import von lebendem Geflügel und Federn. Gleichzeitig bot sie der Türkei die Entsendung von Veterinärmedizinern an, die bei der Lageeinschätzung helfen sollen.
Im Fall Rumäniens stehe noch nicht fest, ob tatsächlich das Vogelgrippevirus für den Tod der Tiere verantwortlich sei, teilte die Kommission in Brüssel mit. Deshalb habe die EU auch noch kein Einfuhrverbot gegen das Land verhängt.
Die Schweiz, Griechenland, Bulgarien und die Ukraine kündigten dagegen bereits an, Importe von lebenden Vögeln und Geflügel-Produkten nicht nur aus der Türkei, sondern auch aus aus Rumänien zu verbieten. Bulgarien liegt zwischen Rumänien und der Türkei, Griechenland grenzt an die Türkei und die Ukraine an Rumänien.
Keine unmittelbare Gefahr für Deutschland Für Deutschland sah die Bundesregierung keine unmittelbare Gefahr. Erst nach weiteren Untersuchungen solle entschieden werden, ob und welche Maßnahme gegen die Verbreitung der Vogelgrippe ergriffen würden. Der Sprecher des Verbraucherschutzministeriums sagte: "Es ist noch nicht geklärt, ob es sich dabei tatsächlich um den auch für Menschen gefährlichen H5N1-Virus handelt."
Die Regierung stehe in engem Kontakt mit der EU und der zuständigen internationalen Organisation. "Ob und welche Maßnahmen jetzt ergriffen werden, hängt weiter davon ab, zu welchen Ergebnissen die Wissenschaftler kommen", sagte der Sprecher.
Virusstamm unklar Nach Expertenmeinung kann die tatsächliche Gefahr derzeit noch nicht abgeschätzt werden. "Wir haben weder eine Bestätigung der Vogelgrippe in Rumänien, noch können wir derzeit ausschließen, dass die Tiere dort an der Vogelgrippe verendet sind", sagte der Präsident des Friedrich-Loeffler-Instituts, Thomas Mettenleiter, am Montag.
In der Türkei sei zwar ein H5-Virus nachgewiesen worden. Unbestätigt sei aber bisher, ob es sich um die für Menschen gefährliche Variante H5N1 handelt. Dies wäre die erste Infektion in Europa. Nach Einschätzung der EU-Kommission handelt es sich in beiden Ländern um verschiedene Erreger-Typen.
USA fordern intensiveren Schutz Die USA dringen auf eine schnelleren und intensiveren Schutz vor einer weltweiten Vogelgrippe-Pandemie. "Wir müssen gewappnet sein", sagte US-Gesundheitsminister Michael Leavitt am Montag in Bangkok zum Auftakt einer Reise durch mehrere betroffene südostasiatische Staaten. "Unsere Vorbereitungen sind noch nicht abgeschlossen und auch nicht angemessen", sagte Leavitt.
Mit einer Delegation der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und mehrerer US-Behörden will Leavitt in Asien für eine stärkere Kooperation im Kampf gegen die Krankheit werben. Nach Thailand will der Minister auch Kambodscha, Laos und Vietnam besuchen.
Pandemie würde 150 Mio. Menschen bedrohen Das Virus wird bisher vom Tier auf den Menschen übertragen. Sollte es so mutieren, dass es direkt von Mensch zu Mensch verbreitet werden kann, könnte dies eine weltweite Pandemie auslösen. Die Vereinten Nationen hatten kürzlich davor gewarnt, dass in diesem Fall das Leben von bis zu 150 Mio. Menschen bedroht werden könne.
  • FTD.de, 10.10.2005
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