Rund 18 Millionen Franzosen haben das Duell der beiden Präsidentschaftskandidaten Nicolas Sarkozy und François Hollande im Fernsehen verfolgt. Nach Ansicht französischer Medien hat der sozialistische Herausforderer Hollande seinen Vorsprung gegenüber dem konservativen Amtsinhaber behauptet.
"Es war ein Unentschieden", bewertete der Leitartikel der Zeitung "Le Monde" die Debatte. "Hollande begann als Favorit und ist der Favorit geblieben." Präsident Sarkozy habe seinen Kontrahenten nicht in die Ecke drängen können. Auch das Urteil der Wirtschaftszeitung "Les Échos" lautet unentschieden. Die linksliberale "Libération" sieht den Sozialisten dagegen vorn: "Hollande beherrscht die Debatte." Für die Rechtspopulistin Marine Le Pen ist der Staatschef bereits geschlagen.
Sarkozy hätte einen deutlichen Sieg davontragen müssen, um den Vorsprung Hollandes in den Umfragen noch aufzuholen. Meinungsforscher hatten Hollande am Mittwoch vor dem TV-Duell bei 53,5 bis 54 Prozent gesehen, Sarkozy bei nur 46 bis 46,5 Prozent. Etliche Wähler haben sich aber noch nicht entschieden. "Die Umfragen lügen. Nie ist eine Wahl offener gewesen, und nach der Debatte ist sie sogar noch offener geworden", sagte Sarkozy in einem Hörfunkinterview am Donnerstag.
Der Präsident versuchte in der TV-Debatte, seinen Kontrahenten zu provozieren und bloßzustellen, um Wechselwähler auf seine Seite zu ziehen. Vor der Stichwahl um das Präsidentenamt am Sonntag warf er Hollande vor, keine Konzepte für eine Sparpolitik vorzuweisen und von Europapolitik keine Ahnung zu haben.
Hollande konterte mit Hinweisen auf die aus seiner Sicht miserable Regierungsbilanz Sarkozys und die hohen Arbeitslosenzahlen. Bewusst distanzierte er sich vom Regierungsstil des Amtsinhabers und versprach den Franzosen mehr Bescheidenheit. Er werde als Präsident nicht Chef der Mehrheit sein und seinen Premierminister zum Gehilfen degradieren. Und er werde sich auch nicht in wichtige Personalentscheidungen bei der Justiz oder Fernsehsendern einmischen.
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Die in der ersten Runde drittplatzierte Le Pen attestierte Hollande, er habe seine Rolle ausgefüllt und mit seinem Auftreten überrascht. Für Sarkozy sieht sie keine Chance mehr. "Er hat die Wahl schon seit langem verloren", sagte sie in einem Interview des TV-Nachrichtensenders BFM. Le Pens Anhänger könnten für Sarkozy eine wichtige Rolle spielen. Er hatte sie im TV-Duell explizit angesprochen und um Unterstützung geworben.
Die Chefin des Front National hatte jedoch keine Wahlempfehlung für den Präsidenten ausgesprochen. Sie setzt offenbar darauf, dass im Fall einer Wahlniederlage Sarkozys Partei UMP auseinanderbricht. Dann könnte der Front National in das Vakuum im rechten Lager vorstoßen.
Hollande zeigte sich im Rundfunksender France Inter zufrieden mit seiner Vorstellung. Mit Blick auf die Stichwahl am Sonntag warnte er aber vor vorzeitigem Jubel. "Mir ist klar, dass noch nichts entschieden ist. Es gibt noch Unbekannte bei dieser Wahl", sagte er. Auch Sarkozy gibt das Rennen noch nicht verloren: "Ich denke, dass ich gewinnen kann. Aber wenn die Franzosen anders entscheiden, wird das dann (für mich) ein anderes Leben bedeuten."