Das Mediengesetz gilt als der erste große Sündenfall der rechts-konservativen Regierung. Orban schuf damit eine von seiner Regierungspartei Fidesz kontrollierte Aufsichtsbehörde mit umfassenden Eingriffsmöglichkeiten. Ohne Einschaltung der Justiz kann die Behörde empfindliche Strafen gegen Zeitungen, Rundfunkanstalten und Internetmedien verhängen, wenn diese beispielsweise gegen die gesetzliche Pflicht zur ausgewogenen Berichterstattung verstoßen.
Der Aufschrei in Europa war groß, als die Pläne bekannt wurden. EU-Kommission, Regierungen und Europaabgeordnete forderten Änderungen an dem Gesetz, weil es gegen das Grundrecht der Pressefreiheit verstoße. Die Regierung Orban ging auf die Kritik ein, doch geändert hat sich nicht viel. Die EU-Kommission setzte Korrekturen bei einigen Vorschriften durch. Sie sah Verstöße gegen die EU-Richtlinie über audiovisuelle Mediendienste.
An der Macht der Aufsichtsbehörde änderte sich jedoch nichts. Und auch die Kritik an dem Gesetz reißt nicht ab. Kurz vor Weihnachten kassierte das ungarische Verfassungsgericht Teile der Bestimmungen. Die Befugnis der Aufsichtsbehörde, gegen Medien Verfahren wegen Missachtung der Menschenrechte, der menschlichen Würde oder der Privatsphäre einzuleiten, "stellt eine verfassungswidrige Einschränkung der Pressefreiheit dar".
Nicht nur das ungarische Verfassungsgericht ist alarmiert. Mit seiner Zweidrittelmehrheit im Parlament verabschiedete er eine neue Verfassung, die demokratische Kontrollrechte aushebelt.