Nach dem Wirbel, der um das Anti-Piraterie-Abkommen veranstaltet wurde, ist Acta dabei, recht unspektakulär zu verenden: Nun hat auch der federführende Handelsausschuss im Europäischen Parlament den Vertrag abgeschmettert - selbst Befürworter haben kaum noch Hoffnung, dass das gesamte Parlament im Juli anders abstimmt.
Das ist das Ergebnis einer beispiellosen Internetkampagne. Netzaktivisten und Verbände machten monatelang Stimmung gegen eine Vereinbarung, die den Schutz gegen Markenpiraterie und Urheberrechtsverstöße vereinheitlichen sollte. Einige der Kritikpunkte waren zwar durchaus stichhaltig und diskussionswürdig.
Viele Gegner aber missinterpretierten Acta als den Versuch, Datenaustausch zu kriminalisieren und Bürgerrechte auszuhöhlen - und dabei erhoben sie manche Vorwürfe gegen das Vertragswerk, die gar nicht stimmten.
Einen großen Teil der Verantwortung für das Scheitern von Acta trägt aber auch die EU-Kommission. Zu lange nahm sie die Proteste nicht ernst. Sie vertat die Chance, rechtzeitig Vorurteile zu entkräften. Statt umfänglich zu informieren, lehnte sie jede Kritik pauschal ab.
Erst als im EU-Parlament immer mehr Abgeordnete zu schwanken begannen, entschied die Kommission, Acta durch den Europäischen Gerichtshof überprüfen zu lassen - was für Unmut sorgte, denn viele hielten das für eine Verzögerungstaktik. Und schließlich erklärte sie gar, ein Nein im EU-Parlament sei auch nicht schlimm, dann werde Acta eben nach der EuGH-Überprüfung erneut den Abgeordneten vorgelegt.
Den Schaden haben nun nicht nur Exportfirmen und Rechteverwerter. Vor allem die EU steht als internationaler Verhandlungspartner angeschlagen da. Sie muss nun über den Schutz vor Produktpiraterie weltweit von Neuem verhandeln. Acta sollte gezeigt haben, dass strittige Abkommen am Unwillen von Bürgern und Parlament scheitern - wenn diese daran nicht gebührend beteiligt und umfassend informiert werden.
Es ist das europäische Parlament, dass den Vertrag stoppt. Es ist unnötig bei jedem Thema Pauschalkritik an der EU zu üben. Es ist eine Schande, dass die EU-Kommission nicht direkt oder wenigsten von einem Parlament gewählt wird, aber die Alternative zu Diktatur sollte nicht Kleinstaaterei oder Anarchie lauten. Daher fordere ich statt der Abschaffung die Demokratisierung der EU.