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Merken   Drucken   09.11.2008, 11:32 Schriftgröße: AAA

Verhältnis zu Russland: Obama bleibt bei US-Raketenschild vage

Alles wird sich unter dem Präsidenten des Wandels nicht ändern: Den geplanten US-Raketenabwehrschild in Polen macht Barack Obama von der technischen Zuverlässigkeit abhängig. Berlin wappnet sich derweil gegen aus Washington erwartete Forderungen zum Afghanistan-Krieg.

Der künftige US-Präsident Barack Obama  hält nach Angaben des polnischen Präsidenten Lech Kaczynski an den Plänen für den Bau eines Raketenabwehrsystems in Mitteleuropa fest. Kaczynski sagte nach Angaben der Nachrichtenagentur PAP in Warschau, Obama habe ihn in einem Telefongespräch am Freitag über sein Vorhaben informiert, das Projekt fortzuführen. Der designierte US-Präsident habe dabei auch die Bedeutung der strategischen Partnerschaft zwischen Polen und den USA hervorgehoben.

Ein Sprecher Obamas korrigierte Kaczynski später: Der polnische Präsident habe in einem Telefonat mit Obama das Thema zwar angesprochen, jedoch habe sich der designierte Präsident "nicht festgelegt". "Während seines Wahlkampfes war seine Position, dass er die Aufstellung eines Raketensystems unterstützt, wenn die Technologie funktioniert", sagte der Sprecher.

Russland fühlt sich bedroht

Polen und die USA hatten sich im August auf die Stationierung von zehn Abwehrraketen im Norden des Landes geeinigt. Zu dem System, das nach US-Angaben als Schutz gegen feindliche Raketen etwa aus dem Iran gedacht ist, wird auch eine Radaranlage in Tschechien gehören.

Russland betrachtet den geplanten Raketenschild in seiner Nachbarschaft als Bedrohung. Am Mittwoch hatte Präsident Dmitri Medwedew  die Stationierung von Kurzstreckenraketen im Raum Kaliningrad nahe der polnischen Grenze als Reaktion auf die US-Pläne angekündigt. Die Führung in Moskau hatte danach jedoch betont, sie sehe noch Verhandlungsspielraum.

Eine Chance für das amerikanisch-russische Verhältnis

Medwedew gratulierte Obama zwei Tage nach dessen Wahlsieg telefonisch. Beide hätten bei dem Gespräch am Samstag ihre Bereitschaft zur "konstruktiven und positiven Zusammenarbeit im Interesse der internationalen Stabilität" bekräftigt, teilte der Kreml nach Angaben der Agentur Itar-Tass mit. Man wolle sich bald persönlich treffen. Dazu böte der Weltfinanzgipfel am 15. November in Washington Gelegenheit, zu dem auch Medwedew kommen wird.

Bilderserie Bilderserie: Angst um Obama

Der Wahlsieg Obamas war in der politischen Führung Russlands allgemein mit Erleichterung aufgenommen worden. Sein Kontrahent John McCain  stand in Moskau in dem Ruf, für einen ähnlich scharfen Kurs gegenüber Russland zu stehen wie der scheidende Amtsinhaber George W. Bush. Neben der US-Raketenabwehr sorgten vor allem die von Washington geforderte Aufnahme Georgiens und der Ukraine in die Nato sowie der jüngste Krieg im Südkaukasus für Spannungen im bilateralen Verhältnis.

Berlin bremst Obama-Euphorie

  • FTD.de, 09.11.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland
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