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Merken   Drucken   16.09.2008, 16:10 Schriftgröße: AAA

Vertrauenskrise unter Banken: Notenbanken fluten Geldmärkte  

Die Geldhäuser trauen sich untereinander nicht mehr über den Weg. Für Übernachtkredite vor allem in Dollar untereinander verlangen sie inzwischen horrende Zinsen - wenn sie überhaupt verleihen. Nur das Eingreifen der Zentralbanken hält den Geldmarkt noch am Laufen. Das ist auch für die Realwirtschaft wichtig. von Doris Grass und Mark Schrörs (Frankfurt)
Die US-Notenbank stellte zusätzliche 50 Mrd. $ für einen Tag zur Verfügung, die Europäische Zentralbank (EZB) pumpte 70 Mrd. Euro in den Geldmarkt der Eurozone. Die Bank von Japan stellte ihren Banken zusätzliche umgerechnet 24 Mrd. $ zur Verfügung und die Bank of England schleuste 20 Mrd. £ in den Markt und die russische Notenbank umgerechnet 14,2 Mrd. $.
"Jetzt sind die Notenbanken gefragt: Sie fluten, was die Schleusen hergeben", sagte WestLB-Volkswirt Bastian Hepperle. Ziel sei es, den Liquiditätsengpass der Geschäftsbanken auszugleichen, um die Folgen für die Realwirtschaft zu mildern. Auch die Notenbanken der Schweiz, Norwegens, Indiens und Australiens griffen ihren Geldmärkten mit Milliardensummen unter die Arme. Andere Währungshüter, vor allem in Asien, beließen es zunächst bei verbaler Unterstützung.
Nach der Pleite von Lehman Brothers  und angesichts der Unsicherheit über das Überleben anderer amerikanischer Geldhäuser ist das Vertrauen der Banken untereinander fast vollständig zusammengebrochen und der Dollar-Geldmarkt daher fast ausgetrocknet. Das führte dazu, dass die Zinsen für Übernacht-Kredite in Dollar (Libor) sprunghaft in die Höhe schnellten. Der Tagesgeldsatz für Dollar-Ausleihungen kletterte nach Angaben der britischen Bankenvereinigung gegenüber Montag beim Fixing um mehr als das doppelte auf 6,44 Prozent - so viel wie zuletzt im Januar 2001.
In der Spitze wurden nach Angaben von Geldhändlern aber Sätze von deutlich über zehn Prozent gezahlt. Während der US-Leitzins 2001 bei sechs Prozent lag, sind es aktuell nur zwei Prozent. Üblicherweise liegen die Libor-Sätze nur leicht über dem Niveau der jeweiligen Leitzinsen. Nach der Liquiditätsspritze der Fed fiel Dollar-Tagesgeld auf zwei Prozent zurück.

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