Es wirkt widersinnig: Da stimmen die Kreditkartenkonzerne Visa und Mastercard einem Vergleich mit dem Einzelhandel zu, der sie mehr als 7 Mrd. Dollar kosten dürfe - der wohl teuerste Vergleich in einem Kartellverfahren. Und dennoch freuen sich die Investoren darüber, die Kurse von Visa und Mastercard gehen leicht nach oben.
Verblüffend ist das nicht, denn zwar müssen die Konzerne nun erst mal ein paar Milliarden zahlen - was sie angesichts ihrer Umsätze verkraften werden. Auf lange Sicht jedoch sind sie die Gewinner des Vergleichs. Sie konnten langfristig ihr lukratives Geschäftsmodell konservieren, niemand wird die Berechnung der Gebühren und deren Höhe grundsätzlich infrage stellen.
Die Kreditkartenfirmen und der Handel haben sich darauf verständigt, dass Geschäfte künftig Gebühren von den Kunden für die Kartennutzung erheben dürfen. Bislang mussten die Händler die Kosten, die sie an Visa oder Mastercard zu zahlen hatten, selbst tragen und indirekt auf alle Kunden umlegen.
Zunächst sorgt der Vergleich also für Transparenz: Für die Dienstleistung, dass Kunden vorher nicht extra zum Geldautomaten gehen und kleine wie hohe Summen abheben müssen, zahlen künftig nur jene, die sie auch nutzen. Zudem werden die Kosten für jeden sichtbar.
Allerdings profitieren nicht nur die Kunden von bargeldlosem Zahlungsverkehr, sondern auch die Händler. Für sie ist die Geschäftsführung mit digitalem Geld deutlich einfacher und schneller als mit physischem, das sie abzählen, bündeln und zur Bank bringen müssen.
Wer bar zahlt, knausert eher als ein Kreditkartenbesitzer: Viele kaufen mehr, wenn sie sich darauf verlassen können, dass sie die Kreditkarte herausholen können und nicht darauf schauen müssen, wie gut gefüllt gerade ihr Portemonnaie ist. Überdies können die Unternehmer die Zahlungsdaten eher zur statistischen Auswertung nutzen.
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Kreditkarten nutzen also sowohl dem Kunden als auch dem Verkäufer. Wenn der Handel sie nun jedoch verteuert, dürften sich Verbraucher genauer überlegen, ob sie bei einer Gebühr von zwei oder drei Prozent des Einkaufs weiterhin ihre Kreditkarte zücken.
Zumal es Unterschiede geben dürfte, wer diese Gebühren tatsächlich erheben kann: Großen Ketten mag es aufgrund ihrer Marktmacht möglich sein, die Gebühren auszuweisen oder aber Sonderkonditionen mit den Kreditkartenkonzernen zu verhandeln. Kleinere Geschäfte können das nicht. Zudem sind in manchen US-Bundesstaaten solche Zusatzgebühren eigentlich nicht erlaubt.
Aber all das muss die Kreditkartenkonzerne Visa und Mastercard nicht stören. Sie haben einen jahrelangen Rechtsstreit vergleichsweise günstig beigelegt. Das Kostenproblem haben nun allein der Einzelhandel und die Kunden.
Tja, wie attraktiv ist wohl hierzulande ein Zahlungsmittel, wenn man für seine Benutzung eine Extra-Gebühr zu zahlen hat?!
Immer mehr Geschäfte und Restaurants, sehen sich gezwungen, diese Gebühren für Kreditkartenzahlung einzuführen, weil sie letztlich keine Lust mehr haben, die Vielflieger-Programme etc. ihrer Kunden mitzufinanzieren...
Und wo es diese Extra-Gebühren nicht gibt, habe ich es schon mehrfach erlebt, dass gerade kleine Geschäfte einem schnell einen Rabatt in Aussicht stellen, wenn man seine VISA- oder MasterCard zückt. Den Rabatt gibt es dann aber nur, wenn man sich doch zur EC-Karten oder Bar-Zahlung überreden lässt.
Die Kreditkarten sind für viele Transaktionen mittlerweile schlicht zu teuer geworden. VISA und Mastercard müssen dringend an der Gebührenschraube drehen - und zwar nach unten...