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Merken   Drucken   22.04.2009, 10:38 Schriftgröße: AAA

Wahlen in Krisland: Island hofft auf rasche Genesung  

Island hat nach Einschätzung seines Zentralbankpräsidenten gute Chancen, seine tiefe Krise im Herbst endgültig zu überwinden. Allerdings droht schon ein neues Problem: Auswanderung. von Clemens Bomsdorf (Reykjavik)
Die Wirtschaftsleistung werde zwar im laufenden Jahr um etwa zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr schrumpfen, sagte Zentralbankchef Svein Harald Öygard der FTD. Doch 2010 erwarte die Bank wieder einen Zuwachs. "Für viele ist Island das ultimative Symbol dafür geworden, wie schnell und wie hart ein Land getroffen werden kann. Meine Hoffnung - und da bin ich ziemlich zuversichtlich - ist, dass das Land auch zum Symbol dafür werden kann, wie schnell ein Land sich wieder erholen kann", sagte Öygard.
Im Oktober waren binnen wenigen Tagen die drei größten isländischen Banken verstaatlicht worden. Es ist unklar, welche Schuldenlast die Regierung des nur 320.000 Einwohner zählenden Landes damit auf sich genommen hat. Island, das nach dem Bankencrash kurzzeitig zahlungsunfähig war, hatte vom Internationalen Währungsfonds (IWF) einen Überbrückungskredit von 3,5 Mrd. $ erhalten.
Der Norweger Öygard hatte den umstrittenen Ex-Politiker David Oddsson an der Spitze der Zentralbank unlängst abgelöst. Er bleibt im Amt, bis ein Nachfolger gefunden ist - maximal jedoch zwei Jahre. Auf Island werden am Samstag vorgezogene Neuwahlen abgehalten. Aktuellen Umfragen zufolge kann die rot-grüne Koalition, die seit Februar im Amt ist, mit einer Wiederwahl rechnen.
In den vergangenen Monaten hätten Arbeitnehmer Lohnkürzungen von bis zu zehn Prozent zugestimmt, um das Überleben der Unternehmen zu sichern, sagte Öygard. Das habe die Inflationsspirale gestoppt und zudem einen wichtigen Beitrag zur Stärkung der isländischen Wettbewerbsfähigkeit geleistet. Noch im Januar betrug die jährliche Inflationsrate 18,5 Prozent. Bis Januar 2010 solle die Rate auf 2,5 Prozent zurückgehen, erwartet der Zentralbankchef.
Auch andere Ökonomen stützen Öygards These von der bevorstehenden Wende für Islands Wirtschaft. "Island hat eine gute Basis. Das Land ist reich an Ressourcen wie Energie und Fisch und die Bevölkerung relativ jung und gut ausgebildet", sagte Thorvaldur Gylfason, Wirtschaftsprofessor an der Universität in Reykjavik. Er sieht für 2011 erstmals wieder ein positives Wirtschaftswachstum.
Allerdings könne eine Verschlechterung der weltwirtschaftlichen Lage den Aufschwung verzögern. Zudem droht eine weitere Gefahr: "Ein großes Risiko ist die Immigration. Wenn große Teile der gut ausgebildeten Bevölkerung das Land verlassen, hat das nachhaltig negative Folgen", so Gylfason. Die Arbeitslosigkeit auf Island ist von 1,3 Prozent im September 2008 auf 6,6 Prozent im Januar angestiegen. Aktuell dürfte sie bei fast zehn Prozent liegen.
  • Aus der FTD vom 22.04.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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