Finnlands Premierminister Matti Vanhanen
Attraktiv wurde der Beitritt durch den Umbruch auf der Insel. Durch die Finanzkrise war in Island die Regierung zusammengebrochen. Bei Neuwahlen wurden die Sozialdemokraten unter Johanna Sigurdardottir stärkste Fraktion. Sigurdardottir ist nun Premierministerin und hat sich vor und nach der Wahl vehement für den EU-Beitritt ihres Landes eingesetzt.
Die ersten Beratungen zum EU-Beitritt fanden am Rande eines Treffens der Regierungschefs aus Norwegen, Finnland, Schweden, Dänemark und Island statt. Schweden übernimmt zudem ab dem 1. Juli die EU-Ratspräsidentschaft.
Finnlands Premierminister Matti Vanhanen wollte sich gegenüber der FTD nicht zu einem Zeitplan für den EU-Beitritt Islands äußern. Er begrüße aber die Pläne der Regierung in Reykjavik grundsätzlich. "Natürlich finde ich das sehr gut. Meiner Ansicht nach sollten alle nordischen Staaten EU-Mitglieder werden", sagte Vanhanen der FTD.
Im Zusammenhang mit den Gesprächen über den Beitritt meinte er: "Mein Rat war: Versucht nicht, zu viele Ausnahmen zu verhandeln." Neue Beitritte zur Union würden derzeit in vielen EU-Staaten so kritisch gesehen, dass sich durch zu viele Forderungen nach Ausnahmegenehmigungen die Stimmung schnell gegen einen Staat drehen könnte. Das problematischste Kapitel eines isländischen EU-Beitritts sind die Fischereirechte. Bislang wehrt Island sich dagegen, dass ausländische Flotten in seinen Gewässern fischen dürfen. Als EU-Mitglied wäre dies schwierig. Weitere kritische Punkte könnten die Landwirtschaft und das isländische Sozialsystem sein.