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Merken   Drucken   30.01.2012, 06:14 Schriftgröße: AAA

Abseitiges vom WEF und WSF: Splitter aus Davos und Porto Alegre

Vom Weltwirtschaftsforum in Davos berichten drei FTD-Redakteure, von der Gegenveranstaltung, dem Weltsozialforum in Porto Alegre, eine Kollegin. Hier berichten sie von Skurrilitäten. Zuletzt: glückliche Ökonomen. von Andreas Theyssen  , Reinhard Hönighaus  , Christian Schütte, Sven Clausen  Davos und Raniah Salloum, Porto Alegre
Be happy
Auch Davos hat einen Diogenes. Der weißhaarige ältere Herr sitzt mit ausgestreckten Beinen auf dem Boden, angelehnt an die Wand direkt neben dem Ausgang, durch den um diese Abendstunde die Teilnehmer hinaushasten. Fast stolpert man über ihn, aber in Seelenruhe studiert er das Tagungsprogramm.
Es ist Lord Richard Layard, Ökonom an der London School of Economics. Der 77-Jährige ist einer der führenden Köpfe der neuen "Happiness Economics", die unter anderem nach Alternativen zum Wohlstandsmaß Bruttoinlandsprodukt suchen.
Christian Schütte
Henry Blodget   Henry Blodget
Manchmal liegt die Versuchung für einen Journalisten direkt auf dem Tresen. Beim Morgenkaffee zwischendurch steht auf einmal Henry Blodget neben mir, der einstige Aktienguru der New Economy, der im Boomjahr 2000 zum einflussreichsten Internet-Analysten der Wall Street gewählt wurde. Ein US-Kollege will ein Interview mit Blodget mit einer kleinen Videokamera aufzeichnen, aber er hat Schwierigkeiten mit der Technik. Also nimmt Blodget die Sache selbst in die Hand, baut die Kamera richtig auf und los geht´s. Anschließend stürmen beide gleich weiter in die nächste Talk-Ecke. Und zurück bleibt einsam auf dem Tresen: Henry Blodgets i-Phone. Die Schutzhülle ist so extrem abgewetzt, dass sich sofort die Frage aufdrängt, welche heißen Deals und Tipps über dieses Gerät wohl in den vergangenen Jahren gelaufen sind. Hier liegt vielleicht ein Monster-Scoop auf dem Tisch!
Andererseits – es gibt ja bekanntlich die zehn Gebote. Und es soll Leute geben, für die ist der Verlust des i-Phones fast so schlimm wie ein Wohnungsbrand. Also hin zu Blodget und das Ding ausgehändigt. Seine Erleichterung ist groß. „Du hast einen gut bei mir!“ ruft er zum Abschied. Womöglich sollte ich darauf beim Facebook-Börsengang zurückkommen. Andererseits - Blodget wurde 2002 wegen Manipulationsvorwürfen lebenslang vom Analystenberuf ausgeschlossen.
Christian Schütte
Der CEO von JP Morgan Chase, Jamie Dimon   Der CEO von JP Morgan Chase, Jamie Dimon
Davos ist anstrengend. Zuhören, reden, networken, von einem Konferenzraum zum nächsten hetzen - das schafft auch Spitzenbanker wie JPMorgan-Chase-Chef Jamie Dimon. Am Freitagnachmittag lässt er sich völlig erschöpft in einen Sessel einer Lobby sinken. Als sein Nebenmann versucht, ihm ein Gespräch aufzudrängen, wiegelt Dimon ab: Er sei erschöpft. Zum Erholen kommt er dennoch nicht. Kurz darauf stürzt ein Mann auf ihn zu, redet übers Geschäft. Es ist Karstadt-Investor Nicolas Berggruen.
Andreas Theyssen
Frankreichs Finanzminister Francois Baroin hat's nicht so mit ...   Frankreichs Finanzminister Francois Baroin hat's nicht so mit Englisch
Frankreich ist anders. Als in Davos die Zukunft der Eurozone auf einem Podium diskutiert wird, sprechen alle Englisch: EU-Währungskommissar Olli Rehn aus Finnland, Spaniens Wirtschaftsminister Luis de Guindos Jurado und sogar Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, der nur sein erstes Statement auf Deutsch abgibt und dann die Sprache wechselt. Nur Frankreichs jugendlicher Finanzminister Francois Baroin antwortet konsequent in seiner Muttersprache. Auch nach der Diskussion geht er eigene Wege: Vor der Kongresshalle gesellt er sich zu einem saudischen Prinzen und einigen Journalisten - um zu rauchen.
Andreas Theyssen
Deutschlands Finanzminister Schäuble beweist Humor in Davos   Deutschlands Finanzminister Schäuble beweist Humor in Davos
Deutschen eilt international der Ruf voraus, recht humorfrei zu sein. Dass dies ein Vorurteil ist, hat nun Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble öffentlich bewiesen. Bei einer Diskussion über die Zukunft des Euro fragte eine schwedische Europa-Abgeordnete, warum die Reform der EU-Strukturen so lange dauere. Schäuble antwortete wie aus der Pistole geschossen und unter dem Gelächter des Publikums: "Ich gebe Ihnen mal die Handynummer von David Cameron." Großbritanniens Premier hatte es abgelehnt, sich der geplanten Fiskalunion anzuschließen.
Andreas Theyssen
Zum besonderen Reiz des Treffens in Davos gehört, dass man ständig auf mächtige Menschen trifft, die man sonst nur im Fernsehen sieht. Heute hat Großbritanniens Premier David Cameron mich geradezu verfolgt. Als ich am Morgen aus dem Bus steige, kommt Cameron von links eilig über den verschneiten Gehweg angestapft. Er weicht gerade noch aus, sonst wären wir zusammengeprallt. Am Mittag, auf dem Weg ins Kongresszentrum, ziehe ich die Tür auf, und wer kommt raus? Cameron. Diesmal mache ich ihm Platz. Am Nachmittag biege ich, vom Hotel Belvedere kommend, in den Weg zum Kongresszentrum ein, und Cameron läuft wieder direkt vor mir. Ich schaue über die Schulter hoch zum Hotel, nur mal gucken, ob die beiden Scharfschützen der Schweizer Polizei auf dem Dach aufmerksam sind. Oh ja! Sie erwidern sofort meinen Blickkontakt. Jetzt bloß keine falsche Bewegung, denke ich, bloß keine Hand in die Jackentasche, und bleibe lieber stehen. Sollen doch andere hinter Cameron herlaufen.
Reinhard Hönighaus
In der Bundesrepublik ist Alexander Dibelius ein mächtiger Mann. Kaum ein großer Unternehmensdeal geht über die Bühne, bei dem der Deutschland-Chef von Goldman Sachs  nicht die Strippen zieht. Entsprechend ausgeprägt ist sein Selbstbewusstsein. In Davos nutzte ihm beides nicht. Am Donnerstagnachmittag versuchte er, in den Sicherheitsbereich des Weltwirtschaftsforums einzudringen, obwohl er keinen Teilnehmer-Badge trug. Ein Schweizer Polizist, den Dibelius schon schnellen Schrittes umlaufen hatte, pfiff ihn zurück. Er wolle doch nur zum Hotel Belvedere, sagte der Investmentbanker, das auf der anderen Seite der Sicherheitszone liegt. Der Beamte erklärte ihm freundlich den Weg - um die Sicherheitszone herum. Dibelius knurrte und trollte sich dann - auf der vereisten Straße den Berg hoch, bei Minustemperaturen, ohne Mantel, nur im schwarzen Anzug.
Andreas Theyssen
Man hat es nicht leicht, Angehöriger einer politischen Dynastie zu sein. Seit fast acht Jahren ist Lee Hsien-Loong Premierminister von Singapur. Doch immer noch wird der knapp 60-Jährige nach seinem Vater gefragt: Staatsgründer Lee Kuan-Yew, der den Grundstein für den wirtschaftlichen Erfolg des Stadtstaats gelegt und das Land mit harter Hand geführt hat. Ob der Senior auch als Vater so streng war, wird Lee junior in Davos gefragt. Der lächelt und sagt knapp: "Er hatte seine Erwartungen." Dann beeilt er sich aber, zu erklären, dass er aus freien Stücken Amtsnachfolger seines Vaters geworden ist und nicht unter Druck steht. Und er verrät, dass mit ihm die Lee-Dynastie wohl ein Ende haben wird. Die Chancen, dass seine Kinder auch in die Politik gehen, stünden derzeit eher schlecht. "Sie haben andere Interessen."
Andreas Theyssen
Zu den sicheren Gewinnern des Weltwirtschaftsforums dürfte auch der kleine Frisörladen an der Hauptstraße zählen. Nicht, weil sich die Konferenzteilnehmer hier einen persönlichen "Haircut" verpassen ließen. Sondern weil der Laden - wie etliche andere kleine Geschäfte in Davos auch - für die Dauer des Forums einfach geschlossen, leergeräumt und an einen internationalen Großkonzern vermietet wird. Diesmal präsentiert hier Renault-Nissan seine Elektroautos: Auf dem Kundenparkplatz des Frisörs werden zwei Exemplare des Nissan Leaf und ein Renault Z.E. "mit Ökostrom aus Davos" aufgeladen. So rechte Lust auf eine Probefahrt kommt allerdings nicht auf: Auf der Straße vor dem Frisör stehen die SUVs der VIPs Stoßstange an Stoßstange im Stau.
Christian Schütte
Für Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) hatte der Ausflug in die Schweizer Berge echten Erholungscharakter. Beim vertraulichen Frühstück mit den DAX-Chefs und weiteren Top-Managern am Donnerstagmorgen nutzte er die erste Hälfte der 90 Minuten, um Deutschlands harte Haltung gegenüber Griechenland zu erläutern. "Er hat in ziemlich drastischen Worten deutlich gemacht, dass Griechenland ein Fass ohne Boden sei, wenn man jetzt nicht den Schuldenschnitt wie geplant macht", sagte ein Teilnehmer.
In der zweiten Hälfte durfte Deutschlands Wirtschaftselite drastische Worte wählen. Lufthansa -Chef Christoph Franz  etwa nutzte die Gelegenheit, um gegen die Luftverkehrsabgabe zu wettern. Rösler habe sich alles angehört und einen ziemlich "sortierten" Eindruck hinterlassen, wie ein Teilnehmer sagte und mehrere Vorstände sinngemäß bestätigten. "Das Amt scheint er zu können, bei der Partei wäre es ihm auch zu wünschen", sagte einer. So viel Zustimmung hat der FDP-Chef in seiner Heimat schon lange nicht mehr erfahren.
Sven-Oliver Clausen
Mohammed Yunus findet begeisterte Zuhörer in Davos   Mohammed Yunus findet begeisterte Zuhörer in Davos
Mohammed Yunus ist wahrscheinlich der einzige Banker, dessen Ansehen durch die Finanzkrise sogar gestiegen ist. Der 72-jährige Friedensnobelpreisträger aus Bangladesh hat das Prinzip der Mikrokredite erfunden, die den Ärmsten der Armen Zugang zu Kapital verschaffen. Die von Yunus gegründete Grameen-Bank hat heute Millionen Kunden, nicht nur in Bangladesh. Sogar im Weltfinanzzentrum New York hat der Wirtschaftswissenschaftler Mikrokreditinstitute aufgebaut.
In Davos beginnt sein Programm am Morgen mit einem halbstündigen "one on one" Talkformat: Yunus wird von einem Journalisten des "Time"-Magazin interviewt und trägt seine "große Idee" vor,- die in Wahrheit ein revolutionäres Feuerwerk ist: Die Welt braucht einen kompletten Neuanfang, die alten, über Jahrhunderte gewachsenen Strukturen sind untauglich für die Lösung unserer heutigen Probleme. Eine Welt ohne Arbeitslosigkeit, ohne Armut, ohne Umweltzerstörung ist möglich, wenn radikal neu gedacht wird. Vor allem auf die Jugend setzt Yunus seine Hoffnung, denn nur sie sorge für die nötige Geschwindgkeit des Wandels.
Die Botschaft begeistert aber auch gesetztere Zuhörer. Den ganzen Tag über hat Yunus in Davos Gesprächstermine mit Unternehmenschefs, die sich vor allem für seine "Social Business"-Idee interessieren: Unternehmen arbeiten nach diesem Modell nicht profitorientiert und schütten auch keine Gewinne aus; sie stehen aber wirtschaftlich auf eigenen Füßen und sind nicht von Zuschüssen spendabler Geber abhängig. Das Unternehmensziel ist es, der Gesellschaft zu helfen.
Das interessiert auch die Vorstände von Weltunternehmen. Bevor sich Yunus am Abend mit der FTD trifft, hat er BASF -Chef Kurt Bock das "Social Business" erklärt.
Christian Schütte
Jürgen Fitschen, Paul Achleitner und Anshu Jain (v.l.) in Davos   Jürgen Fitschen, Paul Achleitner und Anshu Jain (v.l.) in Davos
Die neue Führung der Deutsche Bank  wird erst im Mai installiert. Doch in der Nacht zum Donnerstag kamen die fabulous three schon einmal zusammen: In Davos im Hotel Belvedere stießen um Mitternacht auf einer Party des Verlegers Hubert Burda zufällig aufeinander: Anshu Jain  und Jürgen Fitschen, designierte Chefs der Deutschen Bank, und ihr künftiger Aufsichtsratsvorsitzender Paul Achleitner , Allianz . Sie amüsierten sich sichtlich über eine SMS, die sie sich gegenseitig zeigten. Flankiert wurde das Trio dabei von Ex-Bundesbank-Chef Axel Weber  und Alcoa -Vorstand Klaus Kleinfeld .
Achleitners Ehefrau Ann-Kristin, selbst Multi-Aufsichtsrätin, nutzte die Gelegenheit, Jains Ehefrau Geetika in die Gesellschaft der deutschen Konzernbosse einzuführen - und wich kaum von Geetikas Seite. Dabei zeigte die Inderin keinerlei Berührungsängste. Sie freue sich auf den neuen Schritt mit Anshu von London nach Deutschland, erzählte Geetika, jetzt, da die beiden Kinder der Jains zum Studium in die USA aufgebrochen sind. Als freie Journalistin und Kinderbuchautorin sei es ihr egal, wo ihr Schreibtisch steht. Eine Wohnung in Frankfurt haben die beiden Jains jedenfalls schon im Auge.
Andreas Theyssen und Reinhard Hönighaus
Das jährliche Treffen in Davos ist ...

 

Das jährliche Treffen in Davos ist ...

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Ursula von der Leyen weiß auch auf der Weltbühne, wie man Alpha-Männer auf Kurs bringt. Hoch konzentriert und charmant präsentierte die Arbeitsministerin deutsche Erfolge und Probleme auf einem Davos-Panel "The Future of Human Capital". Schon nach kurzer Zeit stand "Örsola" im Mittelpunkt des Gesprächs. Beim Thema Frauenquote für Aufsichtsräte kam sie dann auch emotional richtig in Fahrt. Sie habe da jetzt einfach die Nase voll, zehn Jahre nach der Selbstverpflichtung der Wirtschaft sei die Quote gerade mal von 3 auf 3,7 Prozent gestiegen. "Immerhin ein Plus von 25 Prozent" platzte es spöttisch aus Adecco -Chef Patrick de Maeseneire heraus. Ein irritierter Blick von der Leyens - und der schnellrechnende Schweizer stellte eilig klar, dass er natürlich nur gewitzelt hatte.
Der Gast aus Indien hatte die Lage nicht ganz so schnell erfasst. Unbekümmert rühmte Vineet Nayar, CEO des IT-Konzerns HCL, die wichtige Rolle der Mütter für die Bildungserfolge seines Landes. Und fing sich sofort den vernichtenden Blitzkonter von der Leyens ein: Wenn auch die Frauen erst einmal gut gebildet seien, sehe das alles ganz anders aus. Dann müssten auch Rollenbilder in Frage gestellt werden. Nayar stimmte selbstverständlich zu.
Christian Schütte
Alessandro Profumo interessiert Aktien mehr als die Ansichten von ...   Alessandro Profumo interessiert Aktien mehr als die Ansichten von Star-Ökonomen
Noch bis vor Kurzem galt Alessandro Profumo als der mächtigste Banker des Kontinents. Nach seinem Ausstieg bei Unicredit  2010 privatisiert der 54jährige Italiener. Wie intensiv er das macht, zeigte er eindrucksvoll bei der Diskussionsrunde "The Global Financial Context". Seinen einstigen Kollegen Vikram Pandit , Chef der Citigroup , und Credit-Suisse-Verwaltungsratschef Urs Rohner hörte er noch höflich zu. Als Star-Ökonom Kenneth Rogoff ansetzte, tauchte er dagegen in die Tiefen des World Wide Web ab. "My stocks" - meine Aktien - war die Seite, der er auf seinem iPad die meiste Aufmerksamkeit widmete, und das fortan im Halbstundentakt. Immerhin hat Profumo einiges zu verlieren. Der Multimillionär galt zu aktiven Zeiten auch als einer der best bezahlten Banker des Kontinents.
Sven-Oliver Clausen
Wirtschaftsminister Philipp Rösler ist definitiv Frühaufsteher   Wirtschaftsminister Philipp Rösler ist definitiv Frühaufsteher
Nach Davos reisen immer auch einige Mitglieder der deutschen Regierung. In diesem Jahr sind neben Kanzlerin Angela Merkel (CDU) auch Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU), Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) und Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) in den Schweizer Bergen. Während die drei CDU-Politiker offizielle Auftritte haben, hält sich Rösler komplett im Hintergrund. Er nutzt das Treffen zu Hintergrundgesprächen mit deutschen Unternehmern und Topmanagern. Am Mittwochabend wurde er beim so genannten "Norddeutschen Abend" des RWE-Vorstandschef Jürgen Großmann  erwartet, für den Donnerstagmorgen hat er die deutsche Wirtschaftsprominenz zum Frühstück ins feine Hotel Belvédère geladen. Ein Termin für Frühaufsteher: Rösler bittet zum Croissant um 7.30 Uhr.
Sven-Oliver Clausen
George Soros sind die Anlageideen ausgegangen   George Soros sind die Anlageideen ausgegangen
Man kann es ja mal versuchen. Wenn man schon Investmentlegende George Soros vor sich hat, dann kann man ihn auch um einen Anlagetipp bitten. Das jedenfalls hat sich ein Amerikaner gedacht, der bei einem der Davos-Lunches den greisen Investor fragt, ob es sich lohnt, noch in Gold zu investieren und in welchen Ländern es die besten Aktienmärkte gibt. Soros' Antwort ist frappierend. "Ich bin froh, dass ich meinen Hedgefonds nicht mehr führe", sagt der 81-Jährige. "Ich müsste heute auch lange überlegen, um herauszufinden, wo ich investieren würde."
Andreas Theyssen
Carlyle-Mitgründer David Rubenstein gibt dem heutigen Kapitalismus ...   Carlyle-Mitgründer David Rubenstein gibt dem heutigen Kapitalismus keine langfristige Chance
Das Weltwirtschaftsforum in Davos ist das wahrscheinlich größte Kapitalistentreffen der Welt. Doch irgendwie scheinen sie - nach Finanz- und Schuldenkrise - an kollektiven Selbstzweifeln zu leiden. "Scheitert der Kapitalismus des 20. Jahrhunderts an der Gesellschaft des 21. Jahrhunderts?" lautet das Thema der ersten Podiumsdiskussion. Gleich zu Beginn lässt der Moderator das Publikum über die Frage abstimmen: Eine deutliche Mehrheit pflichtet bei, ebenso wie später Sharan Burrow, Generalsekretärin des internationalen Gewerkschaftsbundes ITUC.
Selbst Ben Verwaayen, Chef des Telekommunikationsriesen Alcatel-Lucent , kann sich der allgemeinen Stimmung nicht entziehen. "Vielleicht ist die Philosophie des Kapitalismus ja in Ordnung. Das Problem ist aber, wie wir den Kapitalismus handhaben." Und David Rubenstein, Gründer des Private-Equity-Unternehmens Carlyle, wird richtig apokalyptisch: "Wir haben noch drei, vier Jahre Zeit, um unsere Probleme zu lösen - anderfalls ist das Spiel für diese Art von Kapitalismus aus."
Andreas Theyssen
Teilnehmer des Weltsozialforums campieren unter Bäumen im ...   Teilnehmer des Weltsozialforums campieren unter Bäumen im brasilianischen Porto Alegre
Eigentlich sollte das diesjährige Weltsozialforum in Nordafrika stattfinden. Doch in Libyen gäbe es schlicht keine Zivilgesellschaft, die einem bei der Organisation helfen könne, sagt Alaa Talbi, der als einziger Araber in Porto Alegre die Fahne des arabischen Frühlings hochhält. In Ägypten, wo man ursprünglich hin wollte, sei es mit der Regierung nicht zu machen. Und in Tunesien habe man es so schnell nicht hinbekommen, hoffe aber, dass es 2013 zum ersten Mal klappe.
Gut für Porto Alegre, denn mangels Konkurrenz kommen nun wieder Zehntausende aus aller Welt in die Stadt und bevölkern die Hotels. Da hilft es wenig, dass der "Rat des Weltsozialforums", der über den Austragungsort entscheidet, immer wieder betont, dass es doch eigentlich hier dieses Jahr gar nicht das "echte" Weltsozialforum sei, sondern nur ein lokales. Bei den Teilnehmern ist der Unterschied jedenfalls nicht angekommen. Auch Präsidentin Dilma Rousseff wird am Freitag ihre Aufwartung machen.
Raniah Salloum
27. Januar, 08.12 Uhr FTD video interview with Clemens Börsig, chairman of Deutsche Bank (in German). bit.ly/xRvfgn (sc) #davos #wef2012
26. Januar, 19.13 Uhr Der erste Auftritt des neuen Führungstrios der Deutschen Bank im Bild: Fitschen, Achleitner, Jain bit.ly/xzp2Oy (sc) #davos #wef2012
26. Januar, 19.00 Uhr Seltene Einigkeit unter den Regierungschefs Afrikas und der EU. Die Basis allen Wohlstands: Education! (sc) #davos #wef2012
26. Januar, 13.06 Uhr Wirtschaftsminister Rösler bekommt Lob von Deutschlands Top-Managern (sc) bit.ly/zclJ39 #davos #wef2012
25. Januar, 16.45 Uhr Wirtschaftsminister Rösler trifft sich zu Hintergrundgesprächen mit deutschen Top-Managern bit.ly/yUmwji (sc) #davos #wef2012
25. Januar, 12.48 Uhr "Eigentlich ist Davos krawattenfreie Zone. Anteil 2012 über 50 Prozent. Ein entspannter Eindruck passt nicht in die Zeit (sc) #davos #wef2012
  • FTD.de, 30.01.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland,
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