Die Demonstrationen vor Militärstützpunkt eskalieren: Afghanen werfen US-Soldaten vor, den Koran verbrannt zu haben. Die Isaf spricht von einer "unsachgemäßen Entsorgung".
Bei den wütenden Protesten gegen die Verbrennung eines Korans durch US-Soldaten in Afghanistan ist ein Demonstrant ums Leben gekommen. Er sei bei Zusammenstößen in der Hauptstadt der Provinz Nangarhar getötet worden, berichtete die Nachrichtenagentur dpa unter Berufung auf Sicherheitskreise. Nach offiziellen Angaben wurden bei Protesten dort und in der afghanischen Hauptstadt Kabul insgesamt mindestens 17 Menschen verletzt.
In den beiden Städten und im westafghanischen Herat gingen trotz einer Entschuldigung der US-Regierung Tausende Muslime auf die Straßen. Vor dem Stützpunkt in Bagram versammelten sich nach Behördenangaben knapp 3000 Demonstranten und skandierten "Tod den Amerikanern". Muslimen gilt die Verbrennung sowie jede andere Schändung des Korans als Todsünde.
Die Internationale Schutztruppe Isaf räumte ein, dass Soldaten in Bagram muslimische Schriften wie den Koran "unangemessen entsorgt" hätten. Isaf-Kommandeur John Allen entschuldigte sich und betonte, die Soldaten hätten nicht vorsätzlich gehandelt.
Als Konsequenz sollten alle Soldaten der Schutztruppe an Schulungen zum angemessenen Umgang mit religiösem Material teilnehmen. Die Isaf teilte weiter mit, die Schulung der Soldaten werde die Erkennung, Bedeutung, Lagerung und den korrekten Umgang mit religiösem Material umfassen.
US-Verteidigungsminister Leon Panetta sprach von einem "höchst bedauerlichen Zwischenfall", den er auf schärfste verurteile. "Diese Aktionen spiegeln nicht die Ansichten des US-Militärs wider. Wir ehren und respektieren die religiösen Praktiken des afghanischen Volkes ohne Ausnahme." Panetta versprach eine entschlossene Untersuchung gemeinsam mit der afghanischen Regierung.
Die Sprecherin der Provinzregierung von Parwan, Roschana Chalid, sagte, auf der US-Basis in Bagram arbeitende Afghanen hätten angebrannte Koran-Exemplare von dort mitgebracht.
Bei den Protesten in Bagram wurden nach afghanischen Angaben mehrere Demonstranten verletzt. Parwans Vizepolizeichef Sia ul Rahman sagte, US-Soldaten hätten 13 Menschen mit Gummigeschossen leicht verletzt. Niemand sei getötet worden. Die Polizei habe die Lage unter Kontrolle.
Ein Teilnehmer an den Protesten namens Sami Ullah sagte, ein Demonstrant sei von Soldaten angeschossen worden. Nach Isaf-Angaben wurde "nicht-tödliche Munition" zur Auflösung der Menge eingesetzt. Die US-Botschaft in Kabul warnte vor Demonstrationen auch in den kommenden Tagen.
Isaf-Kommandeur Allen sagte, die Schutztruppe werde dafür sorgen, dass ein solcher Fall nicht erneut vorkomme. "Das sichergestellte Material wird ordnungsgemäß durch die entsprechenden religiösen Obrigkeiten gehandhabt werden." Die Isaf machte keine Angaben, warum religiöse Schriften wie der Koran auf der Basis lagerten. Allerdings unterhalten die US-Truppen in Bagram ein umstrittenes Gefängnis. Häftlingen wird dort der Koran zur Verfügung gestellt.
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