Nicht gute Absichten sind entscheidend. Die neue Strategie will umgesetzt und implementiert werden - und das kann nur das entsprechende Personal vor Ort leisten. Das heißt: nicht nur Soldaten, sondern auch Diplomaten; nicht nur mehr Truppen, sondern auch Entwicklungshelfer.
Die Bundeswehr hat derzeit eine Mandatsgrenze von 4500 Soldaten. Die Bundesregierung plant, nun bis zu 850 weitere Einsatzkräfte nach Afghanistan zu schicken. Zum Vergleich: Derzeit arbeiten insgesamt drei Mitarbeiter des höheren Dienstes des Auswärtigen Amts im Norden Afghanistans - in den Wiederaufbauteams in Kundus und Faisabad sowie beim Regionalkommandeur Nord in Masar-i-Scharif - sowie noch drei im gehobenen Dienst. Deutschland hat wohl mehr Köche als Diplomaten im Einsatz im Norden Afghanistans. Intern hat das Auswärtige Amt nun mindestens vier weitere Stellen ausgeschrieben, um personell aufzustocken. Ob und wann diese besetzt werden, ist derzeit offen. Viele Jobs in der Entwicklungszusammenarbeit sind ebenfalls nicht ständig besetzt.
Einige Vorschläge also für mehr wirkliches ziviles Engagement:
Erstens sollten die beiden Ministerien mit Zuständigkeit für Ziviles die Personalstärke in Afghanistan erhöhen, also das Auswärtige Amt sowie das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung - beide übrigens von FDP-Ministern geführt. Das heißt: Sie müssten Personal gemäß deutschen Interessen umschichten und möglicherweise unbequeme Wege gehen. Das Auswärtige Amt zum Beispiel scheut sich weiterhin, qualifiziertes Personal mit regionaler Expertise von außen anzuwerben - oder aus üppig ausgestatten Botschaften in der Europäischen Union abzuziehen.