Hoffnung auf die ZukunftHass empfindet Urschad dennoch nicht. Er hilft seinem Onkel, der in der benachbarten Kleinstadt Uri einen Laden besitzt. Er hofft, eines Tages genug Geld gesparrt zu haben, um sich eine Prothese leisten zu können. "Der Staat hat den armen Leuten nie geholfen", klagt Urschad. "Für die zerstörten Häuser wurde auch niemand entschädigt."
Nicht dass irgendjemand ernsthaft damit gerechnet hätte. Aber auf andere Gesten wird in Uri schon gehofft, etwa auf offenere Grenzen. "Natürlich würden wir es begrüßen, wenn die Straße nach Pakistan geöffnet würde und wir unsere Angehörigen treffen könnten", sagt Mohammad Jabal Chalkoo. Sein Textilienladen liegt an der staubigen Hauptstraße, die direkt nach Pakistan führt.
Menschen wie Chalkoo wollen nur eines: dass endlich Frieden einzieht. Die Sympathie der Kaschmiris für die Gotteskämpfer hat nachgelassen, denn diese gehen ebenso brutal gegen die Zivilisten vor wie die indische Armee. "Wenn wir die Rebellen unterstützen, werden wir von der indischen Armee umgebracht, wenn wir uns mit den Indern arrangieren, werden wir als Verräter von den Militanten gejagt", klagt der Student Ashur in der Provinzstadt Baramulla. Die jungen Leute glauben zunehmend, dass Kaschmir mehr Autonomie und bessere Lebensbedingungen in der indischen Demokratie als unter der pakistanischen Militärdiktatur erreichen könnte. Aber "solange die indischen Okkupanten uns wie Dreck behandeln, werden viele die Gotteskrieger unterstützen".
Indien sollte den Leuten in Kaschmir ein Zeichen des Entgegenkommens geben, sagt Jusuf Jameel, ein angesehener Publizist in Srinagar. Die Öffnung der Grenze, freier Handel und Reiseverkehr, erweiterte Autonomierechte und Teilabzug der Truppen würden den meisten Leuten in Kaschmir ausreichen, um die Frage der Souveränität nicht weiter zu verfolgen. Jameel zeigt sich optimistisch: "Die Zeit dafür wird kommen."