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Merken   Drucken   31.08.2010, 08:30 Schriftgröße: AAA

Agenda: Amerikaner verabschieden sich vom Eigenheim

Seit Jahrzehnten ist der Kauf eines Hauses Teil des American Way of Life. Doch immer mehr Experten und Politiker stellen das Eigenheim in Frage. Die Demokraten wollen nach der Kongresswahl im November die Steuergeschenke dafür kürzen.
© Bild: 2010 AFP
Seit Jahrzehnten ist der Kauf eines Hauses Teil des American Way of Life. Doch immer mehr Experten und Politiker stellen das Eigenheim in Frage. Die Demokraten wollen nach der Kongresswahl im November die Steuergeschenke dafür kürzen. von Suzanne Kapner, London
Ein Kind da, ein zweites kommt bald, vergangenes Jahr war für Elise und Morgan Richardson der Zeitpunkt gekommen, auf Häuserjagd zu gehen. "Man heiratet, man bekommt Kinder, man kauft ein Haus", sagt die 26-Jährige aus Idaho Falls im Bundesstaat Idaho. "Das ist der Lauf der Dinge."
Seit den 60er-Jahren gehört der Hauskauf für zwei Drittel der Bevölkerung zum Erwachsenwerden dazu, er ist Teil des American Way of life. Doch seit vier Jahren ist das, was die Richardsons noch als Selbstverständlichkeit sehen, gar nicht mehr so selbstverständlich. Damals brach der Markt zusammen, und der Traum vom Eigenheim wurde für viele zum Albtraum. Sie saßen in Häusern, die sie sich nicht leisten konnten.
In der Politik hat nun ein Umdenken eingesetzt. Die Demokraten planen eine Reform beim Fördern von Wohneigentum. Warum, fragen sie, müssen möglichst viele Amerikaner ein Haus besitzen? Ist dies wirklich ein Grundrecht? Sie sehen eher einen Schaden für die Allgemeinheit darin. Und so könnte ein alter amerikanischer Traum bald ein Ende finden.
Seinen Ursprung findet er in den 30er-Jahren. Franklin Roosevelt wollte Hausbesitz für viele bezahlbar machen. Der Staat gründete die Hypothekenbank Fannie Mae. Das Institut kauft Banken Hypotheken ab, so konnten diese schneller Kredite vergeben und mehr Amerikaner sich ein Haus kaufen. Aus den Hypotheken schuf Fannie Wertpapiere, die sie in alle Welt verkaufte. So richtig zündete das Programm aber erst nach dem Zweiten Weltkrieg, als die heimkehrenden Soldaten Kreditgarantien bekamen und viele Amerikaner in die Vororte zogen. In den 60er-Jahren bekam Fannie ein Bruderinstitut, Freddie Mac. Die Zahl der Hausbesitzer stieg auf 64 Prozent. Dort blieb sie für drei Jahrzehnte.
Ex-US-Präsident Bill Clinton   Ex-US-Präsident Bill Clinton
Doch dann kamen die Präsidenten Bill Clinton  und George W. Bush und befeuerten noch mal den Hauskauf. "Zu den größten Erfolgen der Vereinigten Staaten in diesem Jahrhundert gehört die Zusammenarbeit des Staates mit dem Privatsektor in dem Bestreben, mehr und mehr Menschen den Traum des eigenen Heims zu ermöglichen", sagte Clinton 1995 bei einer Rede. Nur geringe Anzahlungen waren in den nächsten Jahren nötig, Kredite schnell und leicht erhältlich. Als die Blase 2006 platzte, lebten 69 Prozent der Amerikaner im eigenen Haus, scheinbar eigenen, denn nach dem Crash konnten es sich viele nicht mehr leisten. Der Immobiliencrash wurde zum Auftakt einer weltweiten Finanzkrise.
Die Politik scheint aus dem Desaster gelernt zu haben. "Ziel der Wohnungsbaupolitik sollte sein, dass die Menschen ein anständiges Dach über dem Kopf haben. Es muss nicht zwingend bedeuten, dass sie alle Eigentümer sind", sagt Raphael Bostic von der Federal Housing Administration (HUD), einer Behörde des Wohnungsbauministeriums. "Wir wollen nicht Eigentum um des Eigentums willen", sagt Bostic.

Teil 2: Schlimmer als in anderen Ländern

  • Aus der FTD vom 31.08.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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