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01.10.2010, 07:52
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Brasilien - Endlich Weltmacht
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2010 AFP
Am Wochenende wählt Brasilien. Unter dem scheidenden Präsidenten Lula hat das Land einen atemberaubenden Aufstieg erlebt. Doch die Begeisterung über die neue Größe wird allmählich zur Gefahr: Selbstgefälligkeit und Selbstüberschätzung verhindern dringende Reformen.
von Max Borowski Brasilia
Feinde? Der freundliche General zuckt mit den Achseln. "Wir haben keine", räumt Sergio Westphalen Etchegoyen ein. Etchegoyen ist Berater des brasilianischen Verteidigungsministers und Verantwortlicher für eines der derzeit größten Aufrüstungsprogramme weltweit. Im Rahmen der neuen nationalen Verteidigungsstrategie soll Brasilien erstmals ein Atom-U-Boot, neue konventionelle Unter- und Überwasserboote sowie Hunderte Hubschrauber, Kampfflugzeuge, Raketen und ein neues Satellitensystem bekommen.
Dass Brasilien keine Feinde habe, sei "nicht der entscheidende Punkt", erklärt Etchegoyen. Das Land habe sich in den vergangenen Jahren wirtschaftlich und politisch entwickelt. Brasilien habe in ganz Südamerika und darüber hinaus Interessen, die es zu schützen gelte - als neue Großmacht.
Der Aufstieg ist ohne Frage beeindruckend. Die Wirtschaftsleistung des Landes, das Ende der 90er-Jahre noch vom Internationalen Währungsfonds vor der Staatspleite gerettet werden musste, hat sich seit dem Amtsantritt von Präsident Luiz Inácio Lula da Silva 2003 beinahe verdoppelt. Zum Ende der Amtszeit des ehemaligen Gewerkschafters, der nach der Wahl am kommenden Wochenende abtreten wird, herrscht Aufbruchstimmung.
Brasilien will ganz nach oben. Auf dem Weg dorthin sind indes noch einige Hürden zu nehmen. "Ordem e progresso", Ordnung und Fortschritt, lautet das Motto auf der Nationalflagge. Doch die Realität sieht trotz aller Erfolge der vergangenen Jahre vielerorts noch anders aus. "Selbstgefälligkeit und Selbstüberschätzung", warnt Luis Alberto Moreno, Chef der Interamerikanischen Entwicklungsbank, seien die größten Risiken, denen das Land derzeit ausgesetzt sei.
Brasiliens Militärausgaben
So lässt auch der freundliche General Etchegoyen keinen Zweifel daran, dass er ein Land mit dem Anspruch einer Weltmacht vertritt. Dabei ist das brasilianische Militär schon jetzt die größte Armee des Kontinents. Mit dem Aufstieg des Landes unter Präsident Lula hat sich der Maßstab aber verschoben. Auch wenn die Renovierungsoffensive in den Büros des Verteidigungsministeriums weiter auf sich warten lässt, die Farbe von den Wänden blättert und der alte PVC-Boden Wellen schlägt - Etchegoyen hat höhere Ziele im Blick: "Wir wollen in den Weltsicherheitsrat." Und dessen bisherige ständige Mitglieder hätten schließlich alle große Armeen und sogar Atomwaffen vorzuweisen.
Ebenso ehrgeizig wie die Aufrüstungspläne des Verteidigungsministeriums ist der Ausbau des diplomatischen Dienstes: Unter Lula hat Brasilien 62 neue Auslandsvertretungen eröffnet, vor allem in Afrika und Asien seine Präsenz verstärkt. Das soll helfen, Unterstützer für den angestrebten ständigen Sitz im Uno-Sicherheitsrat zu gewinnen.
Teil 2: Grandioser Auftritt wird Blamage
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Aus der FTD vom 01.10.2010
© 2010 Financial Times Deutschland,
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