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Merken   Drucken   19.02.2008, 20:21 Schriftgröße: AAA

Agenda: Castro hat ausgedient

Mit Fidel Castro tritt einer der umstrittensten Staatschefs von der politischen Bühne ab. Nach seiner beinahe 50-jährigen Amtszeit wird der Kubaner als Ikone der Revolution verehrt - oder als rücksichtsloser Diktator verachtet. von Andreas Fischer (Hamburg)
An diesem Dienstagmorgen im Jahr 50 nach der Revolution gehört die "Granma" noch einmal ganz allein dem Máximo Lider. Die Website des "offiziellen Organs des Zentralkomitees der kommunistischen Partei Kubas" zeigt oben rechts ein Foto: Nicht der alte, tattrige Greis im Pyjama ist darauf zu sehen, sondern ein junger, kraftstrotzender Fidel Castro, wie er inmitten seiner Kampfgenossen steht, das Maschinengewehr in die Luft reckt, den Triumph der Revolution feiert.
Und gleich darunter kommt die "Mitteilung des Chefkommandanten": Castros Rücktrittserklärung, ellenlang und verklausuliert wie viele seiner Reden. "Liebe Landsleute, der Moment ist gekommen, einen Staatsrat und seinen Präsidenten zu wählen", heißt es da. "Ich werde den Posten des Präsidenten des Staatsrats und des Obersten Kommandeurs weder anstreben noch akzeptieren - ich wiederhole: weder anstreben noch akzeptieren."
Seit seiner schweren Darmoperation im Juli 2006 hat sich Fidel Castro nicht mehr in der Öffentlichkeit gezeigt und die Regierungsgeschäfte bereits seinem jüngeren Bruder Raúl Castro übertragen. Nun tritt einer der umstrittensten politischen Führer der Gegenwart endgültig ab. Bei seinen Kritikern ist Fidel als der letzte Diktator des Kalten Krieges verschrien, von seinen Jüngern wird er als Ikone der Revolution und Kämpfer gegen den Imperialismus verehrt. Die Geschichte, wie er mit einer Handvoll bärtiger Guerilleros und sieben Gewehren die Militärdiktatur Fulgencio Batistas niederschlug, kennt fast jedes Kind. Castro selbst hält diesen Mythos am Leben, speist ihn, erschafft ihn immer wieder aufs Neue.
Den Grundstein dafür legt der junge Anwalt 1953 mit dem Sturm auf die Moncada-Kaserne in Santiago de Cuba. Er scheitert, wird verhaftet und zu 22 Jahren Gefängnis verurteilt. "Die Geschichte wird mich freisprechen", sagt er selbstbewusst bei der Urteilsverkündung. Wenig später wird Castro begnadigt und flieht nach Mexiko ins Exil. Drei Jahre später beginnt er mit ein Paar Dutzend Gleichgesinnten, darunter dem argentinischen Arzt Che Guevara, seinen Guerillakampf in der Sierra Maestra. Am 1. Januar 1959 ziehen die Revolutionäre siegreich in Havanna ein.
Gleich nach dem Triumph beginnt Castro, seine Macht zu festigen. Immer wieder behauptet er, die Revolution sei nicht kommunistisch. Zugleich hievt er mehr und mehr Kommunisten in Schlüsselpositionen. Er stellt wiederholt freie Wahlen in Aussicht, hält sein Versprechen jedoch nicht ein. Jede Kritik an seinem Kurs wird unterdrückt, brutal schaltet er potenzielle Konkurrenten aus. Etwa 12.000 Regimekritiker werden unter seiner Herrschaft hingerichtet, schätzen Historiker.
Bilderserie Bilderserie: Fidel Castro sagt Adiós
Zunächst wagt Castro eine Annäherung an die USA. Doch die Amerikaner begegnen seiner Revolution kritisch und verhängen Sanktionen, als die ersten US-Ländereien und Konzernniederlassungen auf Kuba verstaatlicht werden. Washington verweigert Wirtschaftshilfe, blockiert Kredite, belegt das Land mit einem Waffenembargo. CIA-Agenten verüben Bombenanschläge, um den jungen Staat zu destabilisieren, mehrmals versucht Washington, Castro zu töten.
Der sieht sich nach anderen Verbündeten um, wendet sich der Sowjetunion zu, die unweit der US-Küste einen Vorposten aufbauen will. Die Lage spitzt sich 1961 zu: Eine Gruppe Exilkubaner, ausgebildet und bewaffnet von der CIA, landet in der Schweinebucht - und wird zurückgeschlagen. Den Comandante umgibt fortan der Nimbus der Unbesiegbarkeit. Die US-Politik habe seinen Mythos gestärkt, sagt Fidel später in einem Interview.

Teil 2: Experte im Machterhalt

  • Aus der FTD vom 20.02.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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