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Merken   Drucken   16.07.2010, 07:12 Schriftgröße: AAA

Agenda: Chávez' Enteignungskurs trifft deutsche Kaffeefirma

Die Enteignungswelle von Venezuelas Präsidenten Chávez macht auch vor deutschen Unternehmen nicht halt. Als Erstes hat es eine Fabrik der Kaffeedynastie Rothfos erwischt. Sie wartet noch immer auf ihre Entschädigung - und die Fabrik steht nun still.
© Bild: 2010 FTD/Carlos Ramirez Eduardo
Die Enteignungswelle von Venezuelas Präsidenten Chávez macht auch vor deutschen Unternehmen nicht halt. Als Erstes hat es eine Fabrik der Kaffeedynastie Rothfos erwischt. Sie wartet noch immer auf ihre Entschädigung - und die Fabrik steht nun still. von Nicole Kohnert, Rubio und Jens Brambusch  Hamburg
Jeden Morgen fällt es Maria Sanchez* schwer, vor die Tür zu gehen. Nur 200 Meter von ihrem kleinen, blau gestrichenen Haus in Rubio steht ein Stück Vergangenheit, an das sie nicht mehr erinnert werden möchte: die deutsche Kaffeefirma Cafea. 13 Jahre ist sie jeden Tag den kleinen Weg hinunter zur Fabrik gelaufen, hinein in die Produktionshalle, in der Instantkaffee produziert wurde. Seit einigen Monaten ist alles anders. Maria wurde rausgeworfen - nicht von ihren Chefs, sondern von ihren Kollegen. Die hatten die Fabrik besetzt, später wurde sie verstaatlicht.
Der linkspopulistische Präsident Hugo Chávez zelebrierte die Enteignung von Cafea sogar im Fernsehen. Stolz verkündete er im vergangenen November in seiner sonntäglichen Sendung "Alo Presidente", dass der Staat diese Firma verbessern und ausbauen werde - und das Volk davon profitiere. "Cafea hat die Technologie, um Instantkaffee zu produzieren. Wir werden diese Technologie nun nach dem sozialistischen Modell nutzen", sagte er.
Cafea gehört zur Unternehmensgruppe des Hamburger Kaffeeimperiums der Familie Rothfos, Europas führendem Hersteller von löslichem Kaffee. Die Fabrik in den Anden, nahe der kolumbianischen Grenze, ist die erste deutsche Firma, die in Venezuela den Enteignungen und Verstaatlichungen der Regierung zum Opfer gefallen ist.
Fast zeitgleich besetzte das Militär ein weiteres Unternehmen - die Kakaoplantage des gebürtigen Hamburgers Kai Rosenberg, der allerdings die venezolanische Staatsbürgerschaft angenommen hat. Die deutsche Botschaft in Caracas spricht von den bislang einzigen beiden Fällen, die deutsch-venezolanische Handelskammer will von einem dritten Fall gehört haben. Laut Handelskammer sind rund 100 deutsche Unternehmen in Venezuela aktiv. Jedes könnte das nächste sein.
Die deutsche Botschaft in Caracas hält sich zu dem Thema bedeckt. Zu heikel sind die Verhandlungen über Entschädigungen. Bis heute haben weder Cafea noch Kakaoproduzent Rosenberg auch nur einen Bolivar bekommen. Rosenberg hat bereits resigniert. An eine Entschädigung glaubt er nicht. Der Deutsche züchtete im Dschungel im Norden des Landes Edelkakao und wollte die beste Schokolade Venezuelas produzieren. Dann kam das Militär, besetzte seine Plantagen. "Man kann nichts machen, kann nirgends hingehen, kann keinen Richter anrufen", sagt er. "Die Polizei ist die Regierung, die Richter sind die Regierung. Man muss froh sein, dass sie einen am Leben lassen. Eigentum zu besitzen ist in Venezuela ein Verbrechen."

Teil 2: Schritt für Schritt ins Abseits gedrängt

  • FTD.de, 16.07.2010
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