Boomtown Erbil im Norden des Iraks
MAN ist schon vor OrtUnternehmen aus Frankreich, Schweden, Großbritannien und Norwegen wittern ihre Chance. Gemeinsam mit den Amerikanern erschließen die Norweger neue Ölfelder. Ein britisch-schwedisches Konsortium baute die Landebahn. Die holländische Regierung gibt seit Januar Zuschüsse für Investitionen im irakischen Kurdistan. Die deutschen Firmen tun sich da noch schwer. "Die Entwicklung im Nordirak ist interessant, das schauen wir uns aufmerksam an", sagt Felix Neugart, Irakexperte des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK). Das Terrain sei aber schwierig: "Der Irak ist nur etwas für Unternehmen, die sich auskennen, verlässliche lokale Partner haben." Der deutsch-kurdische Handel nimmt zu, aber nur etwa 20 Firmen sind vor Ort vertreten - und das fast ausschließlich mit lokalen Mitarbeitern.
Zu den Aktivposten in Erbil gehört der Lkw- und Busbauer
MAN . An einer Ausfallstraße Richtung Kirkuk befinden sich die Werkstätten, in einer schicken Villa unweit des Deutschen Hofs in Ain Kawa die Administration. Lastwagen und Busse von MAN rollen seit Jahren auf allen Straßen des Landes. Nach dem Sturz Saddams zog MAN zuerst in das alte Stammhaus in Bagdad ein. Als der Terror begann und die Hauptstadt immer gefährlicher wurde, verlegte die Firma ihre Aktivitäten in den Norden. Nun wird von Erbil aus verkauft.
Doch es gibt noch mehr deutsche Wirtschaftsspuren im Nordirak: Druckmaschinen von Roland laufen im Aras-Druckhaus in Erbil, wo der kurdische Geschäftsführer Bedran Habeeb gerade dabei ist, neben Büchern und Zeitschriften auch eine Tageszeitung herauszugeben. ABB Mannheim, die Tochter des schweizerischen Konzerns ABB, baut an einem Stromwerk im zweieinhalb Autostunden entfernten Dohuk. In Erbil soll nächstes Jahr die Kanalisation saniert und ausgebaut werden - ebenfalls mit deutscher Beteiligung, wie Oberbürgermeister Kodscha verrät. Und zwischen Erbil und Suleimanija entsteht ein Krankenhaus unter dänisch-deutscher Ägide. "Wir können doch nicht warten, bis der Zug gänzlich abgefahren ist", sagt ein deutscher Firmenvertreter in Ain Kawa.