Es war ein kalter Februartag, an dem Hillary Rodham zur Präsidentin gewählt wurde. Die Konkurrenz hatte sie in einer Debatte abgehängt, das Publikum war begeistert von ihrer Rhetorik. Das war 1968, als sie den Vorsitz der Studentenvertretung am Mädchencollege Wellesley in Massachusetts übernahm.
40 Jahre später sitzt Hillary Rodham Clinton an einem kalten Februartag auf einem Podium in Ohio. Diesmal geht es um ein höheres Amt, das höchste in den USA: Clinton will Präsidentin der Vereinigten Staaten werden. Wie damals glänzt die Kandidatin mit scharfer Rhetorik, doch neben ihr sitzt einer, der noch selbstbewusster wirkt als sie: "Es gibt keinen Zweifel, dass Senatorin Clinton qualifiziert und fähig ist", sagt Barack Obama , ihr Rivale um die demokratische Präsidentschaftskandidatur, "aber ich glaube, dass ich besser bin."
Kurz vor den wichtigen Vorwahlen in Texas und Ohio strotzt Obama vor Siegesgewissheit - und Clinton muss die letzten Kräfte mobilisieren, um sich dem Negativtrend entgegenzustemmen. Nach 24 Vorwahlen liegt ihr Rivale in Führung. Elf Staaten in Folge hat sie verloren, am Dienstag geht es für sie um alles oder nichts. Gewinnt sie die Mehrheit der Delegiertenstimmen in den beiden großen Bundesstaaten, könnte es ihr vielleicht noch gelingen, bis zum Nominierungsparteitag im August durchzuhalten. Verliert sie, steht ihre Kandidatur aller Wahrscheinlichkeit nach vor dem Aus.
Für Hillary Clinton ist es ein Kampf an allen Fronten - und es ist ein Kampf aus der Defensive. Zwischen Minusgraden in Ohio und dem ersten Frühlingswind in Texas wirbelte die Kandidatin am Wochenende durchs Land und bot "Lösungen für Amerika" an. Vier Auftritte in Ohio presste sie allein in den gestrigen Sonntag. Obama hingegen hielt lediglich zwei Diskussionsveranstaltungen ab. 14 E-Mails jagte die Clinton-Kampagne am Samstag über ihren Medienverteiler, aus Obamas Lager kamen nur drei.
Die Stimmung in dieser Phase des Wahlkampfs hat etwas von einem Showdown. Intensiver noch als Obama buhlt Clinton um die Unterstützung derjenigen Kandidaten aus dem demokratischen Lager, die bereits ausgeschieden sind. Bill Richardson, Gouverneur von New Mexico, berichtet von Dutzenden Anrufen, die er erhalten habe, seit er die Konsequenzen aus seinem schlechten Abschneiden gezogen hat: "Senatorin Clinton hat angerufen. Bill Clinton hat angerufen. Frühere Kabinettskollegen haben angerufen. Deren Freunde. Mitarbeiter. Spender." Aus Obamas Lager habe sich nur einer gemeldet: Obama selbst. "Chirurgische Präzision" attestiert Richardson dem Senator aus Illinois. "Die Clintons sind mehr wie eine Streubombe."
Tatsächlich schießt die mächtige Clinton'sche Kriegsmaschine - ehemalige Berater aus Bills Wahlkämpfen und Hillarys Gefolgsleute aus ihrer Zeit als First Lady - aus allen Rohren. Sie landet bloß selten einen Treffer. So sollte ein neuer Werbespot in Texas die Wähler für die an Politikerjahren reifere Kandidatin einnehmen. Der Plot: Es ist Nacht, die Kinder schlafen, und im Weißen Haus klingelt das Telefon. Wer wäre besser vorbereitet, um auf eine unerwartete Krise zu reagieren? Die Antwort: Hillary Clinton.
Obama reagierte schnell, schlug mit einem eigenen Werbefilm zurück: "Wenn dieser Anruf eingeht, sollte nicht derjenige der Präsident sein, der den Mut hatte, den Irakkrieg von Anfang an abzulehnen?", fragt eine Stimme aus dem Off. Die Antwort: Barack Obama.
Teil 2: Clinton setzt auf ehrenamtliche Helfer, Obama kann zahlen