Kein Politiker hat das Bild des heutigen Amerika so geprägt wie Donald Rumsfeld. Mit dem Abgang des Verteidigungsministers endet eine Ära. Für die verbleibenden Hardliner beginnt eine harte Zeit. von Thomas Klau (Washington) und Andrzej Rybak (Hamburg)
Donald Rumsfelds plötzlicher Abgang ist das Ende einer Epoche
Am Ende war Donald Rumsfeld noch einmal schneller als seine Gegner. Nancy Pelosi, die künftige demokratische Mehrheitsführerin im Repräsentantenhaus, forderte gerade auf ihrer Siegesfeier den Rücktritt des Verteidigungsministers - da lief die Meldung von dessen Amtsverzicht bereits über die Nachrichtenticker. Kurz danach stand Rumsfeld mit gesenktem Kopf neben seinem Präsidenten George W. Bush vor der Weltpresse und hörte sich dessen Abschiedsrede in drei Sätzen an: Rumsfeld sei ein "exzellenter Führer in einer Zeit des Wandels gewesen", sagte Bush. Nach einer Serie "tiefsinniger Gespräche" seien er und der Verteidigungsminister aber einig, "dass die Zeit für eine neue Führung im Pentagon angebrochen ist". Dann klopfte der Präsident seinem scheidenden Militärchef noch einmal gönnerhaft auf die Schulter - und wies ihm den Weg nach draußen.
Rumsfelds plötzlicher Abgang ist das Ende einer Epoche: Die Zeit, in der er, Vizepräsident Dick Cheney sowie die langjährigen Pentagon-Größen Paul Wolfowitz und Richard Perle den Kurs der US-Außenpolitik bestimmten, ist vorbei: Von den einst so mächtigen "Falken" ist heute nur noch Cheney in Amt und Würden. Stattdessen ist Bush in den letzten beiden Jahren seiner Amtszeit auf die Unterstützung der Opposition angewiesen. "Die Entlassung Rumsfelds war ein kluger Schritt von Bush - ein Zeichen, dass er zur Kooperation mit den Demokraten bereit ist", urteilt der Bonner Politikwissenschaftler Christian Hacke. Schließlich sei Rumsfeld das Symbol für die gescheiterte Irak-Politik der Regierung.
Sechs Jahre führte er das Rumsfeld das Pentagons
In seinen sechs Jahren als Herr des Pentagons hat der 74-Jährige das Image der USA wie keiner seiner Vorgänger geprägt. Rumsfeld verschreckte oder ignorierte die Verbündeten in der Nato, suchte genussvoll den rhetorischen Streit mit politischen Gegnern - und machte dabei keinen Hehl aus seiner Überzeugung, dass sein Staat als die einzig verbliebene Supermacht das Recht habe, im Alleingang über Fragen der globalen Sicherheit zu entscheiden. Multilateralismus und internationale Anbindung stufte der Verteidigungsminister als schädlich für die USA ein und lehnte sie in jeglicher Form ab.
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