FTD.de » Politik » International » Der Fall des Feldherrn

Merken   Drucken   09.11.2006, 21:16 Schriftgröße: AAA

Agenda: Der Fall des Feldherrn

Kein Politiker hat das Bild des heutigen Amerika so geprägt wie Donald Rumsfeld. Mit dem Abgang des Verteidigungsministers endet eine Ära. Für die verbleibenden Hardliner beginnt eine harte Zeit. von Thomas Klau (Washington) und Andrzej Rybak (Hamburg)
Donald Rumsfelds plötzlicher Abgang ist das Ende einer Epoche   Donald Rumsfelds plötzlicher Abgang ist das Ende einer Epoche
Am Ende war Donald Rumsfeld noch einmal schneller als seine Gegner. Nancy Pelosi, die künftige demokratische Mehrheitsführerin im Repräsentantenhaus, forderte gerade auf ihrer Siegesfeier den Rücktritt des Verteidigungsministers - da lief die Meldung von dessen Amtsverzicht bereits über die Nachrichtenticker. Kurz danach stand Rumsfeld mit gesenktem Kopf neben seinem Präsidenten George W. Bush vor der Weltpresse und hörte sich dessen Abschiedsrede in drei Sätzen an: Rumsfeld sei ein "exzellenter Führer in einer Zeit des Wandels gewesen", sagte Bush. Nach einer Serie "tiefsinniger Gespräche" seien er und der Verteidigungsminister aber einig, "dass die Zeit für eine neue Führung im Pentagon angebrochen ist". Dann klopfte der Präsident seinem scheidenden Militärchef noch einmal gönnerhaft auf die Schulter - und wies ihm den Weg nach draußen.
Rumsfelds plötzlicher Abgang ist das Ende einer Epoche: Die Zeit, in der er, Vizepräsident Dick Cheney sowie die langjährigen Pentagon-Größen Paul Wolfowitz und Richard Perle den Kurs der US-Außenpolitik bestimmten, ist vorbei: Von den einst so mächtigen "Falken" ist heute nur noch Cheney in Amt und Würden. Stattdessen ist Bush in den letzten beiden Jahren seiner Amtszeit auf die Unterstützung der Opposition angewiesen. "Die Entlassung Rumsfelds war ein kluger Schritt von Bush - ein Zeichen, dass er zur Kooperation mit den Demokraten bereit ist", urteilt der Bonner Politikwissenschaftler Christian Hacke. Schließlich sei Rumsfeld das Symbol für die gescheiterte Irak-Politik der Regierung.
Sechs Jahre führte er das Rumsfeld das Pentagons   Sechs Jahre führte er das Rumsfeld das Pentagons
In seinen sechs Jahren als Herr des Pentagons hat der 74-Jährige das Image der USA wie keiner seiner Vorgänger geprägt. Rumsfeld verschreckte oder ignorierte die Verbündeten in der Nato, suchte genussvoll den rhetorischen Streit mit politischen Gegnern - und machte dabei keinen Hehl aus seiner Überzeugung, dass sein Staat als die einzig verbliebene Supermacht das Recht habe, im Alleingang über Fragen der globalen Sicherheit zu entscheiden. Multilateralismus und internationale Anbindung stufte der Verteidigungsminister als schädlich für die USA ein und lehnte sie in jeglicher Form ab.

Weiter zu Seite 2

  • Aus der FTD vom 10.11.2006
    © 2006 Financial Times Deutschland,
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
Kommentare
Kommentar schreiben Pflichtfelder*





Den Parameter für die jeweilige Rubrik anpassen: @videoList
  • Massaker in Syrien: Russen, bewegt euch endlich!

    Russland stand bisher fest an der Seite des Assad-Regimes. Ob mit Waffen oder mit politischer Rückendeckung, Syrien konnte auf die Russen zählen. Das sollte Moskau schleunigst ändern. mehr

  •  
  • blättern
Tweets von FTD.de Politik-News

Weitere Tweets von FTD.de

  26.05. Der Test zu Pfingsten Kennen Sie sich mit Feiertagen aus?

Wann gilt ein bundesweites Tanzverbot? Existiert ein offizieller Vatertag? In Deutschland gibt es viele gesetzliche und kirchliche Feiertage: Was wissen Sie darüber?

An welchem Feiertag gilt ein gesetzliches Tanzverbot in Deutschland?

Der Test zu Pfingsten: Kennen Sie sich mit Feiertagen aus?

Alle Tests

FTD-Wirtschaftswunder Weitere FTD-Blogs

alle FTD-Blogs

Newsletter:   Newsletter: Eilmeldungen Politik

Ob Regierungsauflösung oder Umfragehoch für die Linkspartei - erfahren Sie wichtige Politik-Nachrichten, sobald sie uns erreichen.

Beispiel   |   Datenschutz
 



DEUTSCHLAND

mehr Deutschland

EUROPA

mehr Europa

INTERNATIONAL

mehr International

KONJUNKTUR

mehr Konjunktur

 
© 1999 - 2012 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Über FTD.de | Impressum | Datenschutz | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

VW | Siemens | Apple | Gold | MBA | Business English | IQ-Test | Gehaltsrechner | Festgeld-Vergleich | Erbschaftssteuer
G+J Glossar
Partner-Angebote