Wenn die Touristen kommen, schmeißt der Wächter des Drake Well Museum die Pumpe von Bohrloch Nummer eins an. Dann quietschen Räder los, stampfen Kolben auf und ab, zischt die Dampfmaschine, die die ganze Konstruktion antreibt. Schon ein paar Schnauber später fließt grünlich-schwarzes Erdöl in das Whiskeyfass neben der Anlage - und durch einen Spalt im Fassboden wieder zurück ins Bohrloch.
Das ganze Gepumpe ist nur Show. Drakes Number One ist längst versiegt, wie so viele andere Ölquellen hier in Pennsylvania. Wie so viele andere in den USA. Im 19. Jahrhundert war der Bundesstaat im Nordosten weltgrößter Erdölproduzent. Aber das ist lang her. 9000 Barrel (je 159 Liter) quetschen die Pumpen noch täglich aus Pennsylvanias Boden. Diese Menge verbrennt die Nation in nicht einmal 40 Sekunden. Mehr als 20 Millionen Fass benötigt die größte Volkswirtschaft Tag für Tag. Und mit jedem Tag muss sie ein bisschen mehr von ihrem Lebenselixier importieren.
Ohne Erdöl wären die USA nicht das, was sie heute sind. Die scheinbar unbegrenzte Verfügbarkeit des Brennstoffs war die Basis für den Aufstieg vom Agrarstaat zur industriellen Supermacht, für den Sieg in zwei Weltkriegen, für den Mythos der grenzenlosen Mobilität für jedermann. Jahrzehntelang kontrollierten US-Konzerne wie Standard Oil, Exxon oder Chevron den globalen Ölmarkt.
Heute kontrolliert dieser Markt die USA: Mehr als 440 Mrd. $ blätterten die Vereinigten Staaten 2008 für Ölimporte hin. Das waren drei Fünftel ihres Leistungsbilanzdefizits. "Jedes Jahr werden wir abhängiger vom Öl, diesem Fossil aus dem 19. Jahrhundert", rief der wahlkämpfende
Barack Obama im Juni 2008. Und gelobte, als Präsident die Sucht seines Landes nach dem "schmutzigen, dahinschwindenden und gefährlich teuren Erdöl" zu besiegen. Aber nun muss Obama erkennen: Es ist unmöglich, dieses Versprechen schnell einzulösen.