Garant für die StabilitätDie Generation von al-Hetta und Amin hat als Präsidenten immer nur einen gekannt: Hosni Mubarak. Der Generalleutnant und ehemalige Kampfflieger gilt dem Westen als Garant für Stabilität und Frieden mit Israel. Er hält die Islamisten in Schach und regiert das Land, das für die Stabilität des Nahen Ostens eine zentrale Rolle spielt, mit eiserner Hand. Seit 29 Jahren herrscht Kriegsrecht. Eine ernsthafte Opposition hat sich seit seinem Amtsantritt 1981 nicht gerührt. Politisch war Ägypten erstarrt.
Bis El Baradei auf der Bildfläche erschien. "Ägypten braucht Reformen", sagte er schon kurz vor seiner Pensionierung bei der IAEA Ende 2009. Über zwölf Jahre lang war El Baradei das Gesicht der Uno-Behörde, die weltweit die Nutzung der Kernenergie überwacht. Nicht selten stand er in der Kritik, die vor allem aus den USA und Israel kam. Zeitweise kam der gelernte Jurist fast täglich in den Nachrichten zu Wort.
Statt seinen Ruhestand nun schweigend in Südfrankreich zu verbringen, fordert er echte Demokratie. "Die Ägypter verdienen etwas Besseres als das, was wir heute haben." Dabei wolle und müsse er helfen. "Es haben mich so viele Menschen gefragt, ja geradezu darauf bestanden, dass ich mich politisch einbringe, dass ich Ja sagen muss", sagt El Baradei. Doch das gehe nur, wenn faire Wahlen möglich seien. Die Spielregeln müssten geändert werden, um unabhängige Kandidaten wie ihn zuzulassen.
Die Ohrfeige saß. Der alternde Mubarak war über die Forderungen seines berühmten Landsmanns überhaupt nicht erfreut. Er hatte alles schon so schön geplant. Mit seinen 82 Jahren wollte er so langsam den Stab an seinen jüngeren Sohn Gamal weiterreichen, einem unscheinbaren Banker, den er bereits seit zehn Jahren als Nachfolger aufbaut. Diese monarchische Erbschaftsregelung kann Mubarak nun vergessen. Zum ersten Mal seit fast 30 Jahren steht der Machterhalt des Mubarak-Clans infrage. Es brodelt unter der Oberfläche. "El Baradei ist eine echte Herausforderung", sagt Mustafa Kamal al-Sajef von der Amerikanischen Universität. "Nicht unbedingt, was seine Möglichkeiten angeht, die Wahlen gegen die Nationaldemokratische Partei (NDP) zu gewinnen, sondern seine Überlegenheit an Prestige und Anerkennung national und international."