Abgekämpft - Japan hat der Krise nicht mehr viel entgegenzusetzen
Rezessionen hat Japan schon einige durchgemacht: vier allein seit Beginn der 90er. Damals platzten die großen Blasen am Aktien- und Immobilienmarkt, das Land stürzte in eine jahrelange Depression. Doch selbst da schien die Lage nicht so hoffnungslos wie heute. Anders als die meisten Industrienationen hat Japan kaum noch Möglichkeiten, auf den Abschwung zu reagieren. In ihrem jahrelangen Kampf gegen all die Krisen hat die zweitgrößte Volkswirtschaft der Erde ihr Pulver verschossen.
"Die Krise der 90er-Jahre war eine des Binnenmarkts, und wirklich gelöst hat man die Probleme bis heute nicht", sagt Stefan Schneider, Konjunkturexperte der Deutschen Bank. "Jetzt kommt auch noch das zweite Standbein der Wirtschaft unter die Räder: der Exportsektor."
Das Auslandsgeschäft war bisher die Rettung für die japanische Industrie. Die vergangenen Krisen haben das Vertrauen im Land zerstört; Millionen von Japanern horten ihr Geld, um für die nächste Krise gerüstet zu sein, statt es auszugeben. Fast das gesamte Wirtschaftswachstum der vergangenen Jahre wurde im Export geschaffen; einige Topkonzerne erwirtschaften dort bis zu 98 Prozent ihrer Gewinne.
Nun aber gefährden zwei Trends das Exportgeschäft: Zum einen bricht in der Krisenzeit die Nachfrage nach japanischen Produkten ein, nach Elektrogeräten, Autos und Computern. Zum anderen explodiert der Wert der Landeswährung. Der Grund: das Ende der globalen Spekulationswelle, die oft über billige Yen-Kredite finanziert wurde. Gegenüber dem Euro hat der Wert des Yen seit August 30 Prozent zugelegt; entsprechend verteuern sich japanische Güter oder müssen die Produzenten ihre Margen senken. "Keine Volkswirtschaft der Welt hält so eine Blitzaufwertung aus", sagt der frühere stellvertretende Finanzminister Eisuke Sakakibara.