Lobbyarbeiter Nicholas Allard bespricht mit seiner Mandantin Jennifer McCarthy wie sie die Politiker im Weißen Haus um den finger wickeln
Der Demokrat war angetreten, um die Macht der Lobbys zu brechen und das intransparente Netz von Politik und Wirtschaft zu entflechten. Die Regierung solle "kein Werkzeug für Lobbyisten" sein, sondern ein "Verteidiger von Fairness und Chancengleichheit", hatte er im Wahlkampf gefordert. Am Tag nach seinem Amtsantritt machte er Ernst und verordnete eine Reihe neuer Ethikregeln: Selbst kleinste Geschenke an Abgeordnete sind jetzt tabu. Und der mühelose Wechsel der Lobbyisten zwischen einem Amt in der Regierung und Lobbyarbeit ist unmöglich. Washingtons Lobbyisten fürchteten harte Zeiten. Das Gegenteil ist der Fall.
Die Umsätze der professionellen Strippenzieher seien auf dem besten Weg, den Rekord von 3,3 Mrd. $ aus dem letzten Jahr zu brechen, sagt Dave Levinthal vom Center for Responsive Politics (CRP), einer Nichtregierungsorganisation, die solche Daten sammelt. Mehr als 18 Mio. $ hat allein Marktführer Patton Boggs im ersten Halbjahr kassiert. Kein Wunder, dass die Interessenvertreter die Hauptstadt belagern.
Verantwortlich für den Ansturm ist nicht zuletzt Präsident Obama selbst. "Wir haben eine aktivistische Regierung, die eine Reihe gewaltiger Gesetzgebungsprogramme in Angriff genommen hat", sagt Lobbyist Allard. 263 Mio. $ sind nach Angaben des CRP in diesem Jahr in Lobbyaktivitäten für oder gegen die Gesundheitsreform geflossen, mehr als 50 Mio. $ wurden für Fernsehwerbekampagnen zu diesem Thema ausgegeben. Und vor der Abstimmung über das Klimaschutzgesetz im Repräsentantenhaus hatten nach Angaben des gemeinnützigen Center for Public Integrity 1150 Interessengruppen versucht, Einfluss auf den Entwurf auszuüben.