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12.10.2010, 10:30
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Die neuen Cyberkrieger der USA
Die USA rüsten sich für Gefechte auf einem neuen Schlachtfeld: dem Internet. Eine neue Militäreinheit im Pentagon soll digitale Angriffe abwehren - und dem Land die Kontrolle im Cyberspace sichern. Doch die Regeln der neuen Kriegsführung sind unklar. Grundrechte könnten ausgehebelt werden.
von Misha Glenny
Mit seinem kantigen Kinn und den vier Sternen auf jeder Schulter sieht General Keith Alexander aus, als sei er gerade einem alten Kriegsfilm entsprungen. Doch das Aussehen täuscht, denn sein neuer Job gehört so sehr ins 21.Jahrhundert, dass ein Computerspieldesigner ihn sich nicht besser hätte erträumen können: Der General ist der erste Chef des United States Cyber Command (US Cybercom), einer ganz neuen Einheit, die für die militärische Verteidigung der Computernetzwerke des Pentagons geschaffen wurde - und gegen unbekannte Feinde der virtuellen Welt kämpfen soll. Der 58-Jährige ist der oberste Cybersoldat der USA.
General Keith Alexander, Chef des US-Cyber-Command (USCybercom)
Das Internet gilt in Amerika als neues Schlachtfeld. Vor einem Jahr hat US-Verteidigungsminister Robert Gates den Cyberspace zur "fünften Domäne" militärischer Einsätze erklärt - neben Land, See, Luft und Weltraum. Es ist der erste militärische Bereich, der vom Menschen geschaffen wurde und ein ganz neues Kommando im Pentagon verlangt. Vergangene Woche hat US Cybercom den Betrieb voll aufgenommen - und damit ein neues Kapitel der Kriegsführung aufgeschlagen.
In einer Anhörung im Kongress schlug General Alexander auch gleich Alarm: Die Computersysteme des Pentagons würden "250000-mal pro Stunde von Angreifern auf die Probe gestellt", bis zu sechs Millionen Mal am Tag. "Mehr als 140 ausländische Spionageorganisationen versuchen, das US-Netzwerk zu infiltrieren", sagte Alexander, der gleichzeitig Chef der National Security Agency (NSA) ist, des Geheimdiensts des Verteidigungsministeriums. Seine düstere Prophezeiung: "Es ist nur ein kleiner Schritt bis zur Störung oder Vernichtung von Teilen des Netzwerks."
In nur drei Jahrzehnten hat sich das Internet von einem kleinen Reich für Freaks und Wissenschaftler zu einer riesigen Maschine entwickelt, die weltweit die Wirtschaft, Politik und Gesellschaft beeinflusst und ordnet. Mehr als jemals zuvor wird unser Leben vom Netz bestimmt. Es ist also keine Überraschung, dass Regierungen die Kontrolle über diese Technologie als zu wichtig ansehen, um sie ein paar Idioten zu überlassen. Die Staaten wollen die Hoheit über das Netz, die Macht über die Daten.
US-Präsident
Barack Obama hat zwar den Vorstoß seiner Regierung in der Internetüberwachung verteidigt und versichert, dass damit "nicht private Netzwerke oder der Internetverkehr überwacht werden". Doch nicht jeder ist da so zuversichtlich.
Richard Clarke, Berater von vier US-Präsidenten und Autor des Buches "Cyber War", unterstützt zwar die Pläne der Regierung - aber auch er macht sich Sorgen über US Cybercom. "Wir haben ein neues militärisches Kommando erschaffen, um eine neue Form des Hightech-Krieges zu führen", schreibt er. "Ohne öffentliche Debatte, ohne Kontrolle durch den Kongress, ohne wissenschaftliche Analyse und internationalen Dialog."
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