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11.08.2008, 19:20
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Die Russen kommen
Der Kaukasus-Krieg eskaliert. Tief stoßen Russlands Truppen in Georgiens Landesinnere vor. Der Kreml greift nach der Macht in Südossetien und Abchasien - und will Präsident Saakaschwili stürzen.
von Charles Clover (Kareleti), Andrzej Rybak (Hamburg) und Nils Kreimeier (Berlin)
Die Angst treibt die Menschen in Sugdidi auf die Straßen. Mit ihrer wertvollsten Habe unter dem Arm fliehen sie aus ihren Häusern, verlassen die Stadt im Westen Georgiens. Schwerbepackte Autos rollen gegen Osten, möglichst weit weg von der Grenze zu Abchasien. "Der Krieg steht an", sagt der Rentner Kacha Kolidse. "Wir gehen zu Verwandten aufs Land."
Die Russen kommen. In der Nacht zum Montag haben ihre Flugzeuge die Vororte der Stadt mit Bomben beworfen. Dort stehen heimische Panzer und Raketenwerfer. Einige der Bomben schlugen in der Stadt ein. Am Montagmorgen dann hat Sergej Tschaban, der Kommandeur der russischen Blauhelmtruppen, der georgischen Armee ein Ultimatum gestellt: Raus aus der Sicherheitszone entlang der Grenze zu Abchasien, sonst schießt Russland weiter. Zuerst harren die Georgier noch aus. Doch am Nachmittag nehmen die Russen erst die Vororte ein, dann die Stadt. Und auch dort bleiben sie nicht stehen, sie treiben vor, weit nach Georgien hinein. Es ist Krieg im Kaukasus.
"Die Besetzung Georgiens hat begonnen. Dutzende Bomber haben Ziele im ganzen Land angegriffen", schreibt Georgiens Außenministerium in roten Buchstaben auf seiner Homepage. "Wacht endlich auf", fleht Präsident
Michail Saakaschwili in Richtung der westlichen Staaten. "Helft uns." Die Russen sind da schon bis nach Senaki vorgedrungen, 40 Kilometer hinter der Grenze, also deutlich hinter der Pufferzone. Panzer fahren durch die Stadt.
Ein Georgier sitzt vor einem zerstörten Haus in Gori. Die russische Luftwaffe bombardierte Stalins Geburtsstadt
Die Offensive schreckt Politiker in aller Welt auf. Die Außenminister der wichtigsten Industrienationen, der G7, rufen Russland auf, Georgiens Hoheitsgebiet zu achten. Russland solle sich der internationalen Vermittlung nicht verschließen - und einem Waffenstillstand zustimmen. Georgien hat den schon unterzeichnet.
Russlands Präsident Dimitri Medwedew denkt nicht daran. Er spricht von einer drohenden "humanitären Katastrophe" nach der "georgischen Aggression" in Südossetien. Der Verbleib der Provinz in Georgien komme nach dem "Genozid" kaum noch in Frage, sagt Ministerpräsident Wladimir Putin. Mit Genozid bezeichnet Moskau den Angriff der Georgier auf Südossetiens Hauptstadt Zchinwali in der Nacht zu Freitag. 2000 Menschen sollen dabei ums Leben gekommen sein, nach Angaben der Russen.
Bilderserie
Bilderserie: Das georgische Pulverfass explodiert
Ihr Ziel ist klar: Sie wollen die beiden Provinzen unter ihre Kontrolle bringen. "Russland will die Abtrennung von Georgien forcieren", schreibt die Moskauer Tageszeitung Nesawissimaja Gazeta. Der übermächtige Nachbar werde die Unabhängigkeit der beiden Abtrünnigen anerkennen und ihnen militärische, politische und diplomatische Garantien geben.
Teil 2: Russland will Unabhängigkeit anerkennen
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Aus der FTD vom 12.08.2008
© 2008 Financial Times Deutschland,
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