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Merken   Drucken   02.09.2008, 18:58 Schriftgröße: AAA

Agenda: Die Sektierer von der Krim

Dossier Nach Georgien fürchtet nun auch die Ukraine, dass sich Teile des Landes abspalten könnten. Auf der Krim ist die Lage besonders explosiv: Seit Moskau Abchasien und Südossetien anerkannt hat, strotzt die russische Mehrheit vor Selbstbewusstsein. von Andrzej Rybak (Sewastopol)
Der Gruß klingt freundlich: "Welcome Nato", hat Mascha Usenko auf das Stirnband geschrieben, mit dem sie ihre langen, blonden Haare zähmt. Doch statt Brot und Salz, dem typisch russischen Begrüßungsgeschenk, hält die junge Frau eine schwarze Bombe aus Pappmaché in ihren Händen.
Mascha ist eine von rund 100 Bürgern Sewastopols, die sich am Montag auf den Weg zum Hafen gemacht haben. Jetzt stehen sie am Grafskaja-Kai und blicken wütend auf das US-Küstenwachschiff "Dallas", das gegenüber im Handelshafen festmacht: Rentnerinnen und Internetaktivisten, pensionierte Marineoffiziere in Uniform und Abgeordnete des Stadtrats. Manche schwenken russische Trikoloren oder die roten Standarten der linken Witrenko-Partei. Andere halten Spruchbänder in die Höhe: "Njet Nato". Der Schlachtruf der bunten Truppe: "Nato, go home!"
Wenige Tage nachdem Russland die abtrünnigen georgischen Provinzen Südossetien und Abchasien anerkannt hat, strotzen die russischen Bewohner der zur Ukraine gehörenden Krim vor Selbstbewusstsein. Und der Besuch der "Dallas", die zuvor einen amerikanischen Flottenverband vor der georgischen Küste begleitet hat, ist ein willkommener Anlass, lautstark Position zu beziehen. Für die Russen, die die Mehrheit der Bevölkerung stellen, ist der Besuch eine Provokation. In Sewastopol ist schließlich die russische Schwarzmeerflotte stationiert, die im Krieg gegen Georgien eingriff und vor Abchasien kreuzte.
Wiktor Juschtschenko, ukrainischer Präsident   Wiktor Juschtschenko, ukrainischer Präsident
Mit der Einladung an die Amerikaner will der ukrainische Präsident Viktor Juschtschenko zeigen, wer das Sagen auf der Halbinsel hat: "Wir müssen alles tun, um nicht das nächste Opfer des Kreml zu werden", sagte er vor wenigen Tagen. Klarer ausgedrückt: Anders als in Georgien können die Russen in der Ukraine jeglichen Gedanken an eine Abspaltung von Landesteilen vergessen.
Die Krim gehört erst seit 1954 zur Ukraine. Der sowjetische KP-Chef Nikita Chruschtschow schenkte sie Kiew zum 300. Jahrestag der ukrainisch-russischen Union. Die russischen Bewohner haben sich damals nicht daran gestört - man lebte schließlich in einem gemeinsamen Staat. Und der Flottenstützpunkt in Sewastopol blieb weiter unter Moskauer Verwaltung.
Die Folgen des Chruschtschow-Präsents wurden erst deutlich, als die Sowjetunion zerfiel und neue, unabhängige Staaten entstanden. 1997 schließlich schloss der russische Präsident Boris Jelzin  einen Freundschaftsvertrag mit der Ukraine, in dem die bestehenden Grenzen bestätigt wurden.

Teil 2: So wichtig ist die russische Schwarzmeerflotte

  • Aus der FTD vom 03.09.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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