Am Donnerstag feiert die Volksrepublik China ihren 60. Jahrestag. Shao Bingquan ist neun Jahre älter. Er hat das Kriegsende erlebt und den Aufbruch nach 1949. Den revolutionären Irrsinn der Mao-Jahre, das Wirtschaftswunder der Reformära und den atemberaubenden Sprung seines Heimatlandes in die Moderne. Er hat schon mehr erlebt, als eigentlich in ein Menschenleben passt.
Die Familie steht stellvertretend für viele in China, die im Zeitraffer einen atemberaubenden Wandel ihres Landes erleben - vom blutigen Experimentierfeld der Kommunisten bis zur Wachstumsmaschine der Welt: Shaos Tochter Wenqi wuchs in der Zeit des Übergangs auf, nach den wahnsinnigen Revolutionsjahren beruhigte sich das Land, es entstand bescheidener Wohlstand, und es gab etwas persönlichen Freiraum. Enkelin Yufei ist ein Kind der bunten Konsumgesellschaft der Gegenwart, in der Kinder des Mittelstands viel bekommen, aber auch viel leisten müssen, um mit 18 Jahren einen der begehrten Studienplätze zu ergattern. Drei Generationen, drei Leben, die für Epochen Chinas stehen.