FTD.de » Politik » International » Dubai - Die Wüste bebt
Merken   Drucken   12.11.2008, 06:53 Schriftgröße: AAA

Agenda: Dubai - Die Wüste bebt

Dossier Große Pläne, große Projekte, große Bauten: Der Aufstieg von Dubai war märchenhaft. Und wurde auf Pump finanziert. Nun reißt die Finanzkrise das kleine Emirat mit - die Zeit des billigen Geldes ist vorbei.
von Claus Hecking (Dubai)

Diese Stille. Sie irritiert, passt nicht zu Dubai, diesem lauten, überfüllten Betonmoloch. Verstummt ist das Gehämmer, Gebagger, Geschrei der Arbeiter. Erstarrt stehen Kräne und Bagger in Kilometern Einöde. Gelangweilt betrachtet ein Wachmann den Dreck unter seinen Fingernägeln.

Ein einziges Fahrzeug hat in der vergangenen halben Stunde den Checkpoint zur Palm Deira passiert, dem gigantischsten Bauprojekt, das Dubais Gigantomanen je in Angriff genommen haben. Als "achtes Weltwunder" haben sie die neue Palme angepriesen. 12,5 Kilometer sollte die künstliche Insel ins Meer ragen, achtmal so groß wie die berühmte erste Palme werden, einer Million Menschen Lebensraum bieten. Sie sollte der Welt zeigen, wozu Dubai fähig ist. Sollte.

Das Hotel Burj al-Arab in Dubai   Das Hotel Burj al-Arab in Dubai

An diesem Nachmittag hört man den Wind über die verlassene Baustelle hinterm Zaun streichen. Im Staub liegt ein zertrampeltes Banner des Bauherrn Nakheel. Dem staatlichen Immobilienkonzern geht es nicht gut. So schlecht, dass er die Arbeiten an Palm Deira zurückfahren muss. "Der Umfang unserer Projekte", zitiert der Branchendienst New Civil Engineer einen Firmensprecher, "ändert sich jetzt mit den Marktbedingungen." Und die trüben sich gerade dramatisch ein. Nakheel-Gläubiger, die ihre Anleihen gegen Ausfall absichern wollten, mussten dafür zuletzt bis zu 20 Prozent der Kreditsumme hinblättern.

Die Zweifel wachsen: an der Zahlungsfähigkeit von Dubais einstigem Paradeunternehmen. Und am Erfolgsmodell Dubai selbst. Die Finanzkrise setzt ihr zu, der einstigen Wüstenoase, die sich in drei Jahrzehnten in eine Weltmetropole verwandelt hat. Plötzlich stehen Mammutvorhaben wie die neue Palme serienweise auf der Kippe, der Immobilienmarkt vor dem Einbruch. Dubai bangt um seinen Ruf als Stadt der unbegrenzten Möglichkeiten.

"Wir beobachten den Rückzug der Kredite sowohl von internationalen wie auch lokalen Banken", sagt Zahed Chowdhury, Chefstratege der Deutschen Bank für den Mittleren Osten. "In einer solchen Situation ist Dubai noch nie gewesen." Eckart Woertz sieht die Lage noch düsterer. "Dubai ist extrem schuldenfinanziert, die Wirtschaft hier hat einen heißen Reifen gefahren", sagt der Chefökonom des Gulf Research Center. "Massive Einschnitte" stünden bevor: "Die Zeit der Prestigeprojekte ist zu Ende, bei denen Geld scheinbar keine Rolle spielte."

Karte: Die größten Baustellen Dubais

Größere Kartenansicht

Dabei haben diese Prestigeprojekte Dubai zu dem gemacht, was es heute ist: die Handelsdrehscheibe zwischen Europa, Asien und Afrika. Alles begann Mitte der 70er-Jahre, als die Herrscherfamilie Al Maktum erkannte, dass ihr Öl schnell zur Neige gehen würde - und einen tollkühnen Plan entwickelte: Ihr kleines Dubai sollte Wirtschafts-, Finanz- und Verkehrszentrum der arabischen Welt werden. Was haben die arabischen Nachbarstaaten gelacht, als dieses abgelegene Wüstenkaff einen scheinbar heillos überdimensionierten Hafen baute, eine internationale Fluglinie eröffnete, ein 320 Meter hohes Luxushotel ins Nirgendwo setzte. Heute ist der Jebel Ali dem Andrang der Containerschiffe nicht mehr gewachsen, Emirates Airlines eine der profitabelsten Fluggesellschaften der Erde, das Burj Al Arab fast permanent ausgebucht.

Teil 2: Pomp auf Pump

  • Aus der FTD vom 12.11.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
Immobilien-Kompass
Immobilien-Kompass Deutschlands beste Wohnlagen

Preise, Mieten und Prognosen für Deutschlands Metropolen und Regionen mit detaillierten Übersichtskarten

Jetzt eigene Wohnlage prüfen

 
Anstatt FTD.de lese ich künftig ... Zum Ergebnis
Alle Umfragen
In eigener Sache
  • An Kiosks in der ganzen Republik hieß es am letzten Erscheinungstag der FTD: Zeitung vergriffen! Der Hype um die Schlussausgabe trieb merkwürdige Blüten. Der Verlag druckte 30.000 Exemplare nach. Wer keines abbekam - bestellen ist möglich. mehr

  •  
  • blättern
Zwischen Leben und Arbeiten
Work-Life-Balance

Die FTD hat zusammen mit dem GfK Verein die umfassendste bundesweite Studie zum Thema Work-Life-Balance veröffentlicht. Die Ergebnisse und mehr zum Thema finden Sie hier. Die Studie können Sie hier kaufen. mehr

Folgen Sie der FTD auf Twitter
Werden Sie Fan der FTD auf Facebook
  • Sie waren ein Herzstück der Zeitung und pointiert, scharf, teils brillant: Ihre Kolumnen, Leitartikel und Kommentare haben die FTD entscheidend geprägt. Zum letzten Mal: Unsere Kolumnisten sagen, was Sache ist. mehr

  •  
  • blättern
© 1999 - 2013 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Impressum | Datenschutz | Nutzungsbasierte Online Werbung | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

Geldanlage | Altersvorsorge | Versicherung | Steuern | Arbeitsmarkt | Energiewende | Ökostrom | Auto | Quiz | IQ-Test | Allgemeinwissen | Solitär | Markensammler