Midhat al-Mahmoudi, (li), Ijad Allawi, (m) und Paul Bremer bei der Machtübergabe
Keine jubelnden Menschen, keine Fahnen, keine Freudenschüsse. Auf den Straßen von Bagdad deutet nichts darauf hin, wie bedeutsam dieser Montag ist. Zwei Tage eher als geplant haben die Amerikaner Irak seine Souveränität zurückgegeben. Um 10.26 Uhr Ortszeit übergibt der US-Zivilverwalter Paul Bremer ein Schreiben an Premier Ijad Allawi, in dem die Wiederherstellung der Souveränität festgehalten wird. Unmittelbar nach der schlichten Zeremonie verlässt der Amerikaner das Land. "Dies ist ein historischer Tag, ein glücklicher Tag", sagt der irakische Präsident Ghasi al-Jawar.
Ein glücklicher, ein historischer Tag? Hothame Khalid bleibt skeptisch. Das werde die Geschichte erweisen, sagt der Mediziner aus Bagdad. Ein Rest Optimismus bleibt: "Man muss einfach hoffen." Wer sich im Land umhört an diesem verblüffend unaufgeregten Tag, begreift schnell, dass die Hoffnung drei Stufen hat: Erst muss Sicherheit her, dann eine gewählte Regierung, dann müssen die Besatzer gehen. Endgültig.
Nach den Bombenanschlägen der vergangenen Wochen ist niemandem in Bagdad nach Feiern zumute. Nicht nur Khalid wartet auf den Tag, an dem "man unbekümmert mit der Familie spazieren kann". Wassan Ihsan versucht es, spendiert ihrem Sohn ein Eis. "Wir wollen nur Ruhe", sagt sie. Als es hinter ihr kracht, geht sofort ihre Hand zur Brust, scharf atmet sie ein: "Es ist ein Abenteuer, Eis essen zu gehen."