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Merken   Drucken   10.12.2008, 22:19 Schriftgröße: AAA

Agenda: Für eine Handvoll Dollar

Dossier Erpressung, Bestechung, Günstlingswirtschaft - Amerika ist schockiert vom Politskandal in Illinois. Der Fall könnte Barack Obama gefährlich werden. Denn der künftige Präsident begann seine Karriere in der "Chicago-Maschine" von Hal Weitzman (Chicago), Sabine Muscat (Washington) und Hubert Wetzel (Berlin)
Das FBI wollte die Kinder nicht wecken. Also riefen die Beamten den Gouverneur einfach an, Dienstagmorgen, kurz vor sechs Uhr. Zwei Agenten stünden vor seiner Haustür. Um ihn zu verhaften. Rod Blagojevich war auf einen Schlag wach. "Ist das ein Witz?"- "Nein. Öffnen Sie die Tür bitte leise."
Der Gouverneur zog also Rollkragenpullover und Trainingsanzug an und ließ sich Handschellen anlegen. Draußen im Regen warteten zwei dunkle Limousinen. Nach 20 Minuten war alles vorbei, die Fahrt ging zum Haftrichter. Die Kinder schliefen weiter. Die Frau blieb entsetzt zurück.
Entsetzt wie der Rest des Landes. Ein Gouverneur in Handschellen, in Chicago, Illinois, der Heimat des künftigen Präsidenten. Ganz Amerika ist alarmiert. Den Bundesstaat erschüttert einer der größten Politskandale des Landes - und niemand weiß, ob sich die Provinzaffäre nicht zu einer landesweiten Krise ausweitet. Für Barack Obama  könnte die Sache noch mehr als peinlich werden.
Rod Blagojevich verlässt in einem Auto das Gerichtsgebäude. Er ...   Rod Blagojevich verlässt in einem Auto das Gerichtsgebäude. Er sitzt auf der Rückbank hinter einem Personenschützer
Die Vorwürfe sind ungeheuerlich: Betrug, Bestechlichkeit, Erpressung, Versteigerung von öffentlichen Ämtern, darunter der Senatsposten des scheidenden Barack Obama - "selbst unsere zynischsten Agenten waren schockiert", sagt der Chicagoer FBI-Chef. Oberstaatsanwalt Patrick Fitzgerald spricht von einer "Korruptionsorgie", die ihn zum sofortigen Handeln gezwungen habe: "Abraham Lincoln würde sich im Grabe umdrehen."
Schon seit Längerem haben die Beamten ermittelt, zuletzt zapften sie sogar das Telefon des Gouverneurs an. Das Ergebnis ist ein Bericht von 76 Seiten, der im Internet nachzulesen ist, unter anderem auf der Website der Financial Times. Das Protokoll ist ein Mix aus Flüchen, Kraftausdrücken und offensichtlichen Rechtsbrüchen.
So habe Blago, wie der Politiker genannt wird, versucht, 2,5 Mio. $ Wahlspenden einzutreiben - von Firmen oder Privatpersonen, die zuvor vom Staat Aufträge oder Steuernachlässe gewährt bekommen haben. Auch die Vergabe eines Milliardenauftrags für den Bau einer Autobahn soll von Spenden abhängig gewesen sein. "Wenn sie die nicht bringen, vergiss es", soll Blago einen Vertrauten angewiesen haben.
Bei solchen Untaten ging es nicht immer um Großbeträge. Vom Children's Memorial Hospital forderte er laut FBI-Bericht 50.000 $ - als Gegenleistung für die Millionen, mit denen er die Klinik fördere. Wenn nicht, könnte das Geld noch gestrichen werden.
Auch habe Blago der Zeitung "Chicago Tribune" ein unsittliches Angebot gemacht. Deren Verlag ist insolvent und sucht dringend einen Käufer für ein Baseballstadion, das ihm gehört. Er werde den Verlegern nur dann dabei helfen, soll er gesagt haben, wenn sie im Gegenzug einige unliebsame Kommentatoren entlassen würden: "Fire those Fuckers."

Teil 2: Haarsträubende Vorwürfe gegen Blago

  • Aus der FTD vom 11.12.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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