Rod Blagojevich verlässt in einem Auto das Gerichtsgebäude. Er sitzt auf der Rückbank hinter einem Personenschützer
Die Vorwürfe sind ungeheuerlich: Betrug, Bestechlichkeit, Erpressung, Versteigerung von öffentlichen Ämtern, darunter der Senatsposten des scheidenden Barack Obama - "selbst unsere zynischsten Agenten waren schockiert", sagt der Chicagoer FBI-Chef. Oberstaatsanwalt Patrick Fitzgerald spricht von einer "Korruptionsorgie", die ihn zum sofortigen Handeln gezwungen habe: "Abraham Lincoln würde sich im Grabe umdrehen."
Schon seit Längerem haben die Beamten ermittelt, zuletzt zapften sie sogar das Telefon des Gouverneurs an. Das Ergebnis ist ein Bericht von 76 Seiten, der im Internet nachzulesen ist, unter anderem auf der Website der Financial Times. Das Protokoll ist ein Mix aus Flüchen, Kraftausdrücken und offensichtlichen Rechtsbrüchen.
So habe Blago, wie der Politiker genannt wird, versucht, 2,5 Mio. $ Wahlspenden einzutreiben - von Firmen oder Privatpersonen, die zuvor vom Staat Aufträge oder Steuernachlässe gewährt bekommen haben. Auch die Vergabe eines Milliardenauftrags für den Bau einer Autobahn soll von Spenden abhängig gewesen sein. "Wenn sie die nicht bringen, vergiss es", soll Blago einen Vertrauten angewiesen haben.
Bei solchen Untaten ging es nicht immer um Großbeträge. Vom Children's Memorial Hospital forderte er laut FBI-Bericht 50.000 $ - als Gegenleistung für die Millionen, mit denen er die Klinik fördere. Wenn nicht, könnte das Geld noch gestrichen werden.
Auch habe Blago der Zeitung "Chicago Tribune" ein unsittliches Angebot gemacht. Deren Verlag ist insolvent und sucht dringend einen Käufer für ein Baseballstadion, das ihm gehört. Er werde den Verlegern nur dann dabei helfen, soll er gesagt haben, wenn sie im Gegenzug einige unliebsame Kommentatoren entlassen würden: "Fire those Fuckers."