Eine Szene aus dem Film "Die Reise der Pinguine"
Für die Filmproduzenten von Warner Brothers hat es sich ausgezahlt, diesen Sommer auf einen Film aus der Antarktis zu setzen. 76 Mio. $ hat "Die Reise der Pinguine", die jetzt auf deutschen Leinwänden zu sehen ist, seit Ende Juni an den US-Kinokassen eingespielt - nach dem Anti-Bush-Werk "Fahrenheit 9/11" ist der Film die erfolgreichste Dokumentarproduktion der vergangenen zwei Jahrzehnte.
Den Erfolg verdanken die Filmleute nicht zuletzt der religiösen Rechten. Denn das Drama über die jährliche Wanderung der Vögel übers Packeis entspricht in höchstem Maße christlichen Moralvorstellungen: Es wird kaum Sex gezeigt (außer zwischen Pinguinen), kaum Gewalt (außer zwischen Pinguinen und Seelöwen), und die Darsteller fluchen nicht. Stattdessen gibt es atemberaubende Natur zu sehen und liebevolle Pinguin-Eltern, die sich inmitten von Eisstürmen für ihre Küken aufopfern.
Auf christlichen Internetseiten wird der Film denn auch eifrig empfohlen: "Was für ein großartiges Gefühl, nicht einen Film erleiden zu müssen, der meinen Werten widerspricht oder meinen Herrn und Heiland beleidigt", lobt etwa die Filmkritikerin von ChristianAnswers.net.
Wären da bloß nicht der alljährliche Partnerwechsel der Pinguine - und der Verweis auf die Evolutionstheorie. Zu Beginn des Films erläutert der Erzähler, dass die Kaiserpinguine "seit Millionen von Jahren" übers Eis am Südpol wandern. "Wir alle wissen, dass das falsch ist", empört sich "Paula, 26 Jahre alt", in einem Kommentar.
Darwin gilt vielen als Ketzer
Die Kritik ist weit mehr als Mäkelei. Für konservative Christen in den USA ist Charles Darwins Erklärung von der langsamen Entstehung der Arten durch Mutationen, Anpassung und Auslese schlicht Ketzerei. Ihrer Meinung nach gilt, was in der Bibel, 1. Buch Moses, 1. Kapitel steht - und zwar wörtlich. Danach schuf Gott die Erde und alles Leben in sechs Tagen. Pinguine waren am fünften Tag dran, als Gott Wasser und Himmel mit Tieren bevölkerte. All das hat nach Ansicht bibeltreuer Christen vor einigen Tausend Jahren stattgefunden, nicht vor über Millionen von Jahren, wie Darwin behauptete.
Die Evolutionsgegner belassen es längst nicht bei tadelnden Kommentaren im Internet. Der Streit um Darwins Lehre tobt heftig in Amerika. Christlich-konservative Organisationen versuchen seit Jahren, die Evolutionstheorie von den Lehrplänen staatlicher Schulen zu verbannen und durch die biblische Schöpfungslehre - "Creationism" - zu ersetzen. Seit der gläubige Christ George W. Bush im Weißen Haus sitzt und die religiöse Rechte zur einflussreichsten politischen Kraft in den USA aufgestiegen ist, hat der Kampf an Schärfe zugenommen.