Der 22-jährige Michail Wetrow arbeitete bei einem Zulieferer für die Bergbauindustrie - nun ist er arbeitslos
Schon damals, in den chaotischen 90ern nach dem Zerfall der Sowjetunion, hat sich Jakowlew damit über Wasser gehalten. 15 Jahre später wiederholt sich die Geschichte, die Wirtschaftskrise zwingt ihn auf die Straße. "Statt über neue Technologien nachzudenken und Fachliteratur zu lesen, setze ich mich nach den Vorlesungen sofort ans Lenkrad", sagt er bitter. "So wird Russland doch nie weiterkommen."
Die Wirtschaftskrise hat nicht nur die Vermögen der Oligarchen vernichtet. Sie droht jene Mittelschicht in Armut zu stürzen, die unter Wladimir Putin aufgestiegen ist. Die "Generation Putin", wie sie von Soziologen genannt wird, war in den vergangenen Jahren zu Wohlstand gekommen. Sie ging bei Ikea einkaufen, fuhr gern Audi und machte an den Stränden Ägyptens und der Türkei Urlaub.
Ihr Verhältnis zu Putin war eine Art Abkommen: Vor neun Jahren war Putin Präsident geworden. Er versprach Stabilität und Wohlstand, im Gegenzug schränkte er die Freiheit ein und unterdrückte die Opposition. Putin hielt sein Versprechen: Seit 2000 ist Russlands Wirtschaft um 70 Prozent gewachsen. Dank der hohen Preise für Öl, Gas und Stahl flossen etwa 1400 Mrd. $ ins Land, das reale Durchschnittseinkommen hat sich auf rund 500 Euro fast verdreifacht.