Vor drei Jahren konnte er von so viel Reichtum nur träumen. Damals baute er Zuckerrohr an. Das reichte kaum, um die Familie zu ernähren. Patil wollte aufgeben, als Tagelöhner in die Stadt gehen. Aber dann tauchten eines Tages Fremde in Loni Kalbhor auf: Mitarbeiter von Spinach, dem Lebensmittelzweig der Wadhwan-Gruppe. Sie erzählten von neuen Ladenketten und Hypermärkten, ermutigten die Bauern, ihre Produktion auf Gemüse umzustellen. "Niemand im Dorf hat gewusst, was diese Hypermärkte genau sind", erinnert sich Kailash. Doch die Spinach-Leute boten ihm Saatgut und Abnahmegarantien. Also sattelte er um: auf Chili, Tomaten, Blumenkohl. Heute verdient er viermal so viel.
Die Geschichte von Kailash Patil erzählt von einer Agrarrevolution in Indien, die inmitten der Jubelberichte über IT-Boom, Industrieboom und Outsourcing fast unterzugehen droht. Die Konzerne des Subkontinents haben das große Potenzial der Landwirtschaft entdeckt. Sie verteilen Saat und Dünger und zeigen den Bauern moderne Techniken. Sie investieren in Logistik, um verderbliche Agrargüter direkt nach der Ernte aufzukaufen und frisch in die Stadt zu bringen. Und sie bauen neue Ladenketten, um ihre Produkte zu vertreiben.
Das Land, das früher von Hungersnöten heimgesucht wurde, schickt sich nun sogar an, die Welt zu ernähren. Denn einige Konzerne schmieden ehrgeizige Exportpläne. "Für mich sind die Perspektiven der Landwirtschaft viel größer als bei der Telekom, ja sogar größer als bei der IT", sagt Rakesh Bharti Mittal, Chef der Landwirtschaftsprojekte bei Bharti, einem sonst vor allem im Telekombereich agierenden Konzern.