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Merken   Drucken   24.04.2006, 21:22 Schriftgröße: AAA

Agenda: Hoher Druck von Osten

Wenn Angela Merkel sich mit Wladimir Putin trifft, muss sie im Gasstreit die Wogen glätten. Zu abhängig hat sich Deutschland von russischen Rohstoffen gemacht. Experten raten zu einer neuen Energiepolitik. von Timm Krägenow, Berlin, Nils Kreimeier und Michael Gassmann, Hannover und Olaf Preuss, Hamburg
Bundeskanzlerin Angela Merkel   Bundeskanzlerin Angela Merkel
Gewöhnlich findet Michael Glos für seine Gegner harsche Worte. Diesmal allerdings hält sich der Bundeswirtschaftsminister zurück. Einen "lieben Freund" nennt er seinen russischen Amtskollegen German Gref auf der Hannover-Messe und lobt die Reformen der Moskauer Regierung. Überhaupt, die gute Nachbarschaft: "Es ist gut, einen rohstoffreichen Nachbarn zu haben", flötet Glos. Und Klaus Mangold, Vorsitzender des Ostausschusses der Deutschen Wirtschaft sagt, es sei wohl "in gewissem Maß zu einer unfairen Diskussion" gekommen.
Der eigentliche Adressat der deutschen Liebeserklärungen sitzt derweil auf dem Podium und blättert in einem Manuskript: Dmitrij Medwedjew, ein wichtiger Mann im neuen Russland. Der alte Weggefährte von Russlands Präsident Wladimir Putin ist stellvertretender Ministerpräsident und Aufsichtsratsvorsitzender des russischen Energiekonzerns Gasprom .
Merkel kann nicht auf Konfrontation setzen
Es ist Deutsch-Russischer Wirtschaftstag auf der Messe, und groß sind die Bemühungen, die Wogen der vergangenen Tage zu glätten. Schließlich haben die rohstoffreichen Nachbarn vor wenigen Tagen unverhohlen damit gedroht, die Gaslieferungen nach Westeuropa zu reduzieren. Und außer ein paar entrüsteten Worten haben die verdutzten Deutschen dem nichts entgegenzusetzen.
Russlands Präsident Wladimir Putin   Russlands Präsident Wladimir Putin
Wenn Angela Merkel sich am Mittwochabend im westsibirischen Tomsk mit Putin trifft, wird sie kaum auf Konfrontation setzen können. Dazu ist Deutschland viel zu abhängig von russischen Rohstoffen. Die rot-grünen Vorgänger haben der Kanzlerin in der Erdgaspolitik mit Russland nahezu unlösbare Probleme hinterlassen. "Die Regierung Schröder war im Umgang mit Russland romantisch und blauäugig", sagt Wolfgang Schrettl, Russlandexperte von der Freien Universität Berlin. Voller Vertrauen in die deutsch-russische Freundschaft band man sich an Gasprom und verzichtete weitgehend auf Alternativen. "Es war offensichtlich, dass die Abhängigkeit bei der Gasversorgung zu groß zu werden droht, aber niemand wollte es sehen." 35 Prozent seines Verbrauchs bezieht Deutschland von Gasprom, Tendenz steigend.

Lesen Sie weiter, wie Gasprom auf den deutschen Energiemarkt drängt

  • Aus der FTD vom 25.04.2006
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