Wer vom Flughafen der südrussischen Stadt Rostow in Richtung Zentrum fährt, dem bietet sich ein merkwürdiges Bild: Entlang der Straße stehen die üblichen grauen Häuser im sowjetischen Einheitsstil, aber die Balkons sind durchweg in frischer weißer Farbe getüncht worden. "Wir haben uns eben ein bisschen hübsch gemacht - für Putin", sagt eine Anwohnerin. Als der Staatspräsident Rostow voriges Jahr besuchte, befand die Stadtverwaltung, es sei angemessen, die Fassaden zu verschönern. Auch sonst sorgten die Behörden dafür, dass alles nett aussah: Die Demonstration einer kleinen Oppositionsgruppe wurde kurzerhand untersagt.
Rostow ist Putin-Land. Bei der Parlamentswahl im vergangenen Jahr stimmten in dem Gebiet mit seinen gut vier Millionen Einwohnern fast 72 Prozent für die Kremlpartei Einiges Russland, deutlich mehr als im ohnehin hohen landesweiten Durchschnitt. Für
Dmitri Medwedew , der nach dem Willen Putins am Sonntag zum Präsidenten gewählt werden soll, wird ein noch besseres Ergebnis erwartet. Mit bis zu 90 Prozent rechnen Beobachter.
Wenn der Kreml ruft, dann stehen auch die örtlichen Funktionäre stramm. "Die lokalen Behörden haben Respekt vor Moskau bekommen, sie können sich nicht mehr alles erlauben", sagt Sergej Rogusko, Topmanager einer örtlichen Handelsfirma. Wie viele andere preist Rogusko die "Stärkung der Machtvertikale" unter Putin: Gleich nach seinem Amtsantritt im Jahr 2000 teilte der Präsident das Land in sieben Föderalbezirke auf, an deren Spitze er seine eigenen Leute setzte: Sie sollten die Gouverneure kontrollieren. Doch dabei blieb es nicht. Vier Jahre später setzte Putin durch, dass die Gouverneure nicht mehr vom Volk gewählt, sondern vom Präsidenten ernannt und abberufen werden. Seitdem sind die einstigen Regionalfürsten abhängig vom Kreml und tun alles, um dessen Wohlgefallen zu gewinnen.
In der Bevölkerung findet die Zentralisierung breite Zustimmung. Im Vergleich zu den 90er-Jahren, in denen Moskau und die Regionen ständig im Streit lagen, erweckt die jetzige Lage den Anschein von Stabilität. "Es ist den meisten Menschen sehr angenehm, so an die Hand genommen zu werden", sagt Wladimir Schkuratow, Psychologieprofessor an der Südlichen Föderalen Universität in Rostow. "Das hat mit der sowjetischen Mentalität zu tun."