Wahlvorbereitung: Unter schlechten VorzeichenVon Eva Busse
Niemand erwartet ruhige Tage. Selbst die amerikanischen Besatzungskräfte haben kurz vor der ersten freien Wahl im Irak ihren Optimismus abgelegt. "Ich rechne mit irgendetwas Spektakulärem", sagt der amerikanische Befehlshaber in Bagdad, General Peter Chiarelli, in düsterer Vorahnung. Damit die Wahl am Sonntag so unspektakulär wie möglich verläuft, hat Chiarelli seit Anfang Januar 2500 mutmaßliche Aufständische und Sympathisanten festnehmen lassen. Er geht davon aus, dass sich die Angriffe der Wahlgegner auf irakische Polizisten, zivile Ziele und die landesweit 5000 Wahllokale konzentrieren werden. Bis Dienstag gilt eine nächtliche Ausgangssperre. Die Bewegungsfreiheit im Land wird noch stärker als sonst mit Straßensperren eingeschränkt. Insgesamt 300.000 irakische und ausländische Soldaten sind im Einsatz.
Am Wahltag selbst wollen sich die alliierten Truppen zurückhalten: Den inneren Sicherheitsring um die Wahllokale stellen irakische Sicherheitskräfte. Nur in Notfällen wird ausländisches Militär eingreifen. Amerikanische Soldaten haben den Befehl bekommen, so weit wie möglich von den Wahlurnen fernzubleiben. Ziel ist es, irakischen Bürgern das Gefühl zu vermitteln, es sei ihre Wahl.
Genau den gegenteiligen Eindruck erweckt jedoch das politische Engagement des amerikanischen Militärs. UN-Beobachter berichten, sie hätten "gebettelt", dass GIs endlich aufhörten, Informationsmaterial zu verteilen, in dem die Bevölkerung zur Wahl aufgerufen wird. "Das Ganze ist allein Sache der Iraker", schimpft die UN-Wahlbeauftragte Carina Perelli.
Die Iraker selbst empören sich über die eigene Regierung: An den Mangel an Benzin und Strom haben sie sich zwar im Laufe der Zeit gewöhnt. Doch der Monat Januar war besonders beschwerlich, weil die Hälfte Bagdads wochenlang kein Wasser hatte. Zyniker mutmaßen, dass die Übergangsregierung das Wasser selbst abgestellt hat, um es kurz vor der Wahl als Retter in der Not wieder anstellen zu können - gemäß dem irakischen Sprichwort: "Wenn du den Hund aushungerst, wird er dir folgen."