Russlands Premier Putin weitet seinen Einfluss auf die Wirtschaft aus
TNK-BP-Chef fliehtDie Investoren sind nervös. Vor einer Woche erst hatte der Vorstandschef des britisch-russischen Joint-Ventures TNK-BP nach monatelangem Machtkampf fluchtartig Moskau verlassen. Putins scharfer Angriff auf Mechel wenige Tage später überraschte selbst Kritiker des Premiers - zumal am Montag ein weiterer Coup angekündigte wurde. Ein enger Vertrauten Putins soll noch nächste Woche an die Spitze des zweitgrößten Nickelproduzenten der Welt rücken. Beunruhigende Nachrichten: Der russische Kapitalmarkt hat binnen einer Woche rund 80 Mrd. $ verloren.
Auch den wohlwollendsten Beobachtern wird inzwischen klar: Putin weitet seinen Einfluss auf die Wirtschaft - auch als Premierminister - zielstrebig aus. Phase eins, die Verstaatlichung strategischer Unternehmen, ist abgeschlossen. Jetzt folgt Phase zwei: Putin installiert ehemalige Geheimdienstler und Freunde in Aufsichts- und Beiräten privater Konzerne. Die bescheidenen Erfolge auf dem Weg zu einer liberaleren Marktwirtschaft stehen damit erneut in Frage. Die Risiken für Investoren sind hoch, der Schutz von Privateigentum fragil.
Längst herrscht in Russland ein Klima der Angst: Wie ein römischer Kaiser kann Putin über das Wohl und Wehe milliardenschwerer Konzerne entscheiden - mit ein paar an die Öffentlichkeit lancierten Sätzen. Und Dmitri Medwedew, der vermeintliche Hoffnungsträger und Nachfolger im Präsidentenamt, wagt keine Widerrede gegen seinen Mentor. Erst nach einer Woche versuchte Medewdew, den Markt zu beruhigen: "Unsere Rechtsvollstreckungsorgane und Regierungsvertreter müssen aufhören, den Unternehmen Albträume zu bereiten", sagte der Präsident gestern bei einem Auftritt in Smolensk. "Wir müssen ein normales Investitionsklima im Lande schaffen." Den Namen Putins sprach er dabei nicht aus.