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Merken   Drucken   11.10.2006, 19:34 Schriftgröße: AAA

Agenda: Iran, das Land der Ideen

Mit Hasstiraden spaltet Irans Präsident Ahmadinedschad seine Nation. Doch selbst die Opposition steht hinter dem Atomprogramm des Regimes. Für große Teile des Volkes ist es das Symbol für den Aufstieg zur Wissensmacht im Nahen Osten. von Silke Mertins (Teheran)
Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad   Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad
Wenn Ebrahim Yasdi über die Herrschenden der Islamischen Republik Iran spricht, fallen Begriffe wie "religiöser Despotismus" und "Heuchelei". Der Kopftuchzwang sei "gegen den Willen Gottes", die "Herrschaft der Kleriker ein großer Fehler". Kein Wunder, dass Yasdi, Chef der halb legalen Partei "Freiheitsbewegung", stets mit einem Bein im Gefängnis steht. "Man muss als Oppositioneller bereit sein, den Preis zu zahlen", sagt der 75-Jährige gelassen.
Der Mann mit dem schlohweißen Haar und dem sorgsam gestutzten Spitzbärtchen war schon bei der Revolution von 1979 aktiv. Sogar zum Außenminister brachte er es damals für kurze Zeit. Heute aber lässt er an Staat und Regierung kein gutes Haar - schon gar nicht an Präsident Mahmud Ahmadinedschad. Nur ein Punkt ist von Yasdis Fundamentalkritik ausgenommen: das iranische Nuklearprogramm.
Iranische Frauen demonstrieren in Isfahan für das Recht zur ...   Iranische Frauen demonstrieren in Isfahan für das Recht zur Nutzung von Nukleartechnik
"Der Iran muss als Atommacht anerkannt werden", fordert der Politveteran mit erhobenem Zeigefinger. Die Urananreicherung zu suspendieren, wie der Uno-Sicherheitsrat fordert, komme nicht in Frage: "Wir haben sehr viel investiert." Ein modernes Land brauche nun mal die Forschung - gerade im Nuklearbereich.
Die Mehrheit der Bevölkerung in der Islamischen Republik steht in der Atomfrage hinter dem Präsidenten. "Wir haben ein Recht darauf", ist der häufigste Satz, den man in Teheran hierzu hört. Die mit Tschador verschleierte Ordnerin beim Freitagsgebet an der Universität Teheran pocht genauso auf diesem "Recht" wie der junge Computerprogrammierer im schicken, wohlhabenden Norden der Stadt. "Präsident Ahmadinedschad ist peinlich, und wir machen Witze über ihn", sagt dieser, "aber ein friedliches Atomprogramm kann uns niemand verbieten."
Symbol für Führungsstärke
Für die Iraner ist ihre Nuklearforschung das Symbol für ihre Ambitionen, Führungsmacht in der Region, vielleicht sogar zum Global Player zu werden. Die Mehrheit steht nicht hinter den Auslöschungsfantasien ihres Präsidenten. Aber wenn Ahmadinedschad verkündet, die Nation wolle in Wissenschaft, Wirtschaft und Politik ganz oben mitspielen, stößt das selbst bei der Opposition auf Zustimmung.
Erst in der vergangenen Woche erklärte der Präsident erneut ohne jeden Anflug von Bescheidenheit, der Iran werde zu einem "brillanten Vorbild" für die Welt. Die Stärke und Unabhängigkeit des freien Iran gegenüber den dominierenden Mächten des Westens - allen voran dem "großen Satan" USA - beeindrucke Menschen rund um den Globus. Die Feinde der Nation hingegen seien "besorgt, dass die iranische Jugend trotz der ihnen auferlegten Restriktionen Fortschritte im wissenschaftlich-technologischen Bereich erzielt".

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  • Aus der FTD vom 12.10.2006
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