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06.10.2010, 11:27
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Jeder gegen jeden im Weltwährungskrieg
China kämpft gegen Europäer und Amerikaner, die wiederum gegen die Volksrepublik. Brasilien befeuert die USA. Japan, Indien, Thailand, Kolumbien und Südkorea liegen auf der Lauer. Jeder ist sich selbst der nächste im Kampf um Märkte - und bringt so den Welthandel in Gefahr.
von Peter Ehrlich Brüssel,
André Kühnlenz Frankfurt
und Mark Schrörs Washington
Es ist der Moment, an dem die Staatschefs und Minister im Thronsaal des Brüsseler Königsschlosses aufhorchen.
Nicolas Sarkozy trägt nicht die übliche vorformulierte Rede vor, er redet frei, und er redet drastisch. Die Ungleichgewichte zwischen den großen Währungen der Welt "sind ein Risiko für alle unsere Volkswirtschaften", warnt Frankreichs Präsident beim Europäisch-Asiatischen Gipfels - und rückt zum ersten Mal seit langer Zeit das Thema Währungen in den Mittelpunkt eines politischen Spitzentreffens.
Und da gehört es auch hin, meint der Chef des Internationalen Währungsfonds,
Dominique Strauss-Kahn . "Überall in der Welt sehen wir die Möglichkeit eines beginnenden Währungskrieges".
EZB-Präsident Jean-Claude Trichet
Währungskrieg. Seit einer Woche ist das hässliche Wort in der Welt, erstmals benutzt von Brasiliens Finanzminister. Es ist ein Krieg, den jedes Land für sich führt, indem es seine eigene Währung billig hält oder billiger macht und so den eigenen Export stützt. Und es ist ein Krieg, der das Zeug hat, die mächtige G20 zu zerschlagen und die Weltwirtschaft tief zu erschüttern.
An allen Enden der Welt zugleich spitzt sich die Lage zu. Die Staaten schaffen Fakten. Am Dienstag hat Japans Notenbank überraschend ihre Zinsen gesenkt, um den Yen zu drücken. Die Aktion ist nicht abgestimmt.
Jean-Claude Trichet , als Chef der Europäischen Zentralbank Hüter des
Euro , sagt wenig später mit feiner Ironie: "Zentralbanker kommentieren Entscheidungen ihrer Kollegen nicht. Wir sind eine starke Bruderschaft gegenseitiger Bewunderung."
Es war nicht die einzige Attacke dieser Tage. Indien und Thailand haben Schritte gegen die Aufwertung ihrer Währungen angekündigt. Kolumbien und Südkorea denken offen darüber nach. Und am Montag hat Brasilien den Steuersatz für Ausländer verdoppelt, die brasilianische Anleihen kaufen. Damit hat eines der liberalsten Länder Kapitalverkehrsbeschränkungen eingeführt. Der Grund: Seit dem Sommer trauen die Investoren immer weniger der US-Wirtschaft und legen ihr Geld in Schwellenländern an, was dort zu Übertreibungen führt. Gleichzeitig verteuert dies die Währungen dieser Länder - zum Leid der Firmen, die vom Export leben.
Teil 2: China im Brennpunkt
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FTD.de, 06.10.2010
© 2010 Financial Times Deutschland,
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