Doppelte Staatsangehörigkeit möglichPutin legte nach: Er stellte den Ukrainern eine doppelte Staatsangehörigkeit in Aussicht. Er verfügte, dass sich die bis zu drei Millionen ukrainische Gastarbeiter in Russland bis zu drei Monate lang ohne Registrierung im Land aufhalten können - sogar in Moskau. Russen, die aus der Provinz in die Hauptstadt kommen, müssen sich spätestens nach acht Tagen bei den Behörden melden. Mehrmals reiste der Kremlchef nach Kiew, wo er unverhohlen Wahlkampf für Janukowitsch machte.
Der Westen versuchte erst spät, dieser Offensive etwas entgegen zu setzen. Aus den USA kamen Wahlkampfstrategen, die den Stab des Oppositionskandidaten Juschtschenko unterstützten. Der milliardenschwere Philanthrop George Soros und eine Reihe anderer Stiftungen schickten Geld - offiziell wird der Betrag von 13 Mio. $ genannt - an oppositionsnahe Institutionen, um, wie es hieß, "die demokratischen Prozesse in der Ukraine" zu fördern. Die Umfragen nach der Stimmabgabe, die die Opposition gerne als Hinweis auf ihren Sieg zitiert, wurden von diesen Institutionen finanziert.
Westliche Experten unterstützten die Opposition auch beim Aufbau schlagkräftiger Strukturen: Zu Beginn des Jahres wurde die Studentengruppe "Pora" gegründet, in der sich der harte Kern der Aktivisten versammelte. In Serbien jagte eine ähnliche Bewegung namens "Otpor" 2000 Diktator Slobodan Milosevic aus dem Amt, in Georgien standen die Studenten von "Kmara" 2003 an der Spitze der "Rosenrevolution", die den Rücktritt des Präsidenten Eduard Schewardnadse erzwang.
Doch die Ukraine ist nicht Georgien: Während die herrschende Clique des Kaukasusstaats äußerst unpopulär war, genießt Janukowitsch im Osten seines Landes echte Sympathien. Die staatlichen Strukturen in Georgien waren in Auflösung begriffen. In der Ukraine hören die Sicherheitskräfte auf den Befehl des amtierenden Präsidenten.
Selbst wenn sich die Lager in Kiew einigen, bleibe die Lage gefährlich, meint Publizist Rjabtschuk. Vier Regionen haben bereits Juschtschenko als Präsidenten anerkannt und der Kiewer Zentralgewalt den Gehorsam verweigert. Egal, wer nun Präsident werde, sagt Rjabtschuk, "er muss das Land "gegen die andere Bevölkerungshälfte regieren".