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  FTD-Serie: Mordserie erschüttert Russland

Ex-Agent Alexander Litwinenko und sein Kontaktmann Mario Scaramella, die Journalistin Anna Politowskaja, Zentralbank-Vize Andrej Koslow, der Abteilungsleiter der Vneshtorgbank, Alexander Plochin - in Russland tobt ein tödlicher Kampf um Macht und Einfluß. Lesen Sie in unserer Serie alles über die Rückkehr der Geheimdienstmorde.

Merken   Drucken   18.09.2006, 20:53 Schriftgröße: AAA

Agenda: Machtlos gegen die Russenmafia

Dossier Mit dem Mord am Zentralbanker Andrej Koslow zeigt die russische Mafia, dass sie wieder im Geschäft ist. Vor allem in der Finanzbranche wächst ihr Einfluss rasant. Präsident Wladimir Putin gelingt es nicht, dem organisierten Verbrechen Herr zu werden. von Ulrich Heyden (Moskau) und Andrzej Rybak (Hamburg)
Mission: Als Vize-Chef der Zentralbank ging Andrej Koslow ...   Mission: Als Vize-Chef der Zentralbank ging Andrej Koslow kompromisslos gegen Geldwäsche vor
Die Ermittler sind ratlos. Fünf Tage nach dem Mord an dem Vizechef der russischen Zentralbank, Andrej Koslow, haben sie nicht einmal eine Beschreibung der Täter. Vieles deutet darauf hin, dass die Mörder aus Koslows nächster Umgebung erfuhren, wo sich der Banker aufhielt. Doch obwohl 20 Staatsanwälte Freunde und Mitarbeiter befragt haben, tappen sie immer noch im Dunkeln. Für Hinweise auf die Mörder hat die russische Bankenvereinigung 10 Mio. $ als Belohnung ausgesetzt - die höchste Summe in der Geschichte des Landes.
Auftragsmord: Die Killer lauerten Andrej Koslow in der Nähe des ...   Auftragsmord: Die Killer lauerten Andrej Koslow in der Nähe des Moskauer Spartak-Sportkomplexes auf, wo er mit Freunden Fußball gespielt hatte
Dass die Täter aus Mafiakreisen stammen, gilt in Moskau als sicher. Das Motiv sei Rache gewesen, sagt Walerij Miroschnikow, Vizechef des Bankeinlagen-Sicherungsfonds. Als Chef der Abteilung für Bankenkontrolle hatte Koslow seit Anfang vergangenen Jahres 79 Geldinstituten die Lizenz entzogen.
Banker, die der Geldwäsche überführt wurden, sollten mit lebenslangem Berufsverbot belegt werden. Außerdem hatte er angekündigt, mindestens 300 Kleinstbanken mit fragwürdigen Geschäftspraktiken zu schließen. Koslow wusste genau, dass er viele Feinde hat. "Wir sind wie Förster, die die kranken Bäume fällen, damit sie die anderen nicht anstecken", pflegte er zu sagen. "Solche Leute werden nicht geliebt." Jetzt ist er tot.
Staatsbegräbnis: Der Zentralbanker Andrej Koslow auf dem ...   Staatsbegräbnis: Der Zentralbanker Andrej Koslow auf dem Trojekurowskoje Friedhof in Moskau feierlich mit Ehrengarde beigesetzt
Koslow ist das hochrangigste Mitglied der russischen Wirtschaftselite, das in der Amtszeit von Präsident Wladimir Putin einem Auftragsmord zum Opfer gefallen ist. Für den Kreml-Chef ist das Attentat ein schwerer Rückschlag in seinem Bemühen, Russland als stabiles und attraktives Land für Investoren darzustellen.
Wie ernst Putin den Mord nimmt, zeigte seine Reaktion am Freitag: "Banken werden weiterhin für kriminelle Zwecke genutzt", räumte er auf einer Sondersitzung ein, die er in seinem Urlaubsort Sotschi einberufen hatte. "Wir sind Zeugen, wie Milliarden Rubel monatlich gewaschen werden", sagte Putin. Mit dem gewaschenen Geld würden nicht nur Beamte bestochen, sondern auch "terroristische Aktivitäten" und die Drogenmafia finanziert. Putin berief eine Arbeitsgruppe der Sicherheitsorgane ein, die gegen "kriminelle Praktiken im Bankensektor" vorgehen soll.

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  • Aus der FTD vom 19.09.2006
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