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Merken   Drucken   25.09.2008, 20:58 Schriftgröße: AAA

Agenda: McCain und Obama verwirren gemeinsam

Die Finanzkrise wirbelt den US-Wahlkampf durcheinander: Barack Obama und John McCain treffen sich im Weißen Haus, McCain will das TV-Duell absagen. Plötzlich sind sich die Kandidaten recht ähnlich - und der Wähler ist verunsichert. von Sabine Muscat (Allentown/Washington)
"Unsere gesamte Wirtschaft ist in Gefahr", sagt der Präsident am Abend. Das erste Mal in seiner Amtszeit widmet er die "Prime-Time Speech" nur der Wirtschaft. Kein Irakkrieg, kein Terrorismus, kein Gut und Böse. Und dann tut George W. Bush das Unglaubliche: Er lädt beide ins Weiße Haus ein, John McCain  und Barack Obama .
Am nächsten Tag dann, während der Kongress noch über dem Rettungspaket brütet, kommen sie zusammen zum Krisengipfel. Die Szene regt die Fantasie jedes Wählers an: Welchen dieser beiden Männer würden Sie lieber im Weißen Haus sehen? Wem trauen Sie zu, dass er das Land vor dem Untergang bewahrt?
Es ist keine Überraschung, dass US-Wahlkämpfe voller Überraschungen stecken. Auch diesmal, in der Schlacht um die Nachfolge von George W. Bush, gab es zahlreiche Wechsel und Volten, Sprünge und Scoops, Fehltritte und Fehden, es gab die Obamania, den Clinton-Clinch, die Georgienkrise und den Palin-Faktor. Und immer schien sich alles zu drehen, mal lag Barack Obama vorn, mal John McCain.
Die US-Präsidenschaftskandidaten John McCain (l.) und Barack Obama ...   Die US-Präsidenschaftskandidaten John McCain (l.) und Barack Obama stellen die Wähler vor Rätsel
Obama auf der Suche nach griffigen Slogans
Nun aber das: Einen Tag vor dem ersten Fernsehduell der beiden Kandidaten, vor einer Institution der amerikanischen Wahlkämpfe, dem direkten Showdown, versammeln sich die Kontrahenten in dem Haus, um das sie erbittert ringen.
Mehr noch: Der eine, John McCain, schlägt vor, die TV-Debatte doch bitte abzublasen. Das Land steht vor gewaltigen Problemen, Schluss mit dem Streit. Es gibt sogar eine gemeinsame Erklärung der Wahlkampfteams: "Dies ist die Zeit, das Interesse des Landes über parteipolitische Interessen zu stellen. Wir dürfen keine Wirtschaftskatastrophe riskieren." In diesen Tagen, scheint es, sind alle Präsidentschaftskandidaten Amerikaner.
Die Finanzkrise, die sich mit aller Wucht endgültig als das alles überragende Thema festgesetzt hat, hat Obama neuen Auftrieb gegeben. Auf der "Main Street", der Hauptstraße der amerikanischen Durchschnittskleinstadt, ist sein Kurs an jedem Tag gestiegen, an dem die Kurse an der Wall Street fielen. Dafür musste er im Grunde nichts tun: In diesen Tagen reicht es, Demokrat zu sein und in Washington die Opposition gestellt zu haben. Ausschlachten und absetzen - das wäre das Gebot der Stunde gewesen. Einen griffigen Slogan wie Bill Clinton in den 90er-Jahren - "It's the economy, stupid"- hat Obama allerdings noch nicht gefunden.

Teil 2: McCain und Obama beginnen sich zu ähneln

  • Aus der FTD vom 26.09.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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